Mobile Kommunikation mit Tücken

Von der digitalen Nabelschnur will sich niemand mehr lösen. Drei von vier Handynutzern wollen immer erreichbar sein, heißt es in einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. Und ohne E-Mails fühlen sich viele Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. 90 Prozent der Befragten meinen: Handy und E-Mail hat ihre Lebensqualität deutlich gesteigert. Jedoch schweigen sich die meisten über das Risiko und die Gefahren, die durch Mobiltelefone entstehen, aus.

Vor allem unter Businessleuten nimmt das digitale Strippenziehen allmählich überhand. Taxifahrer in New York beobachten, dass nahezu jeder zweite Kunde während der Fahrt auf seinen Laptop einhackt oder mobil telefoniert. Wer nun glaubt, die zunehmende Verbreitung digitaler Assistenten im Westentaschenformat hätte auch eine höhere Wachsamkeit ihrer Eigner zur Folge, irrt sich gewaltig. Gefahren, die im Internet lauern, Viren, die sich unbemerkt in Programme oder mobile Telefone einschleichen - niemanden scheints zu stören.

Verlust von Mobiltelefonen birgt Risiko
Überhaupt gehen immer mehr Zeitgenossen sorglos mit ihren tragbaren Kommunikationssystemen um. Allein in den letzten sechs Monaten, fand eine Umfrage unter Londoner Taxifahrern heraus, wurden pro Droschke drei Apparate liegen gelassen: Handys, iPods, Blackberrys, USB-Sticks und Laptops. Wenn an der Themse, dem wichtigsten Standort der europäischen Finanzdienstleistung, derart nachlässig mit zum Teil brisanten Informationen umgegangen wird, lässt das tief blicken. Das Argument, wer viel arbeitet, sollte sich nach Feierabend ruhig gehen lassen, wird niemanden beruhigen, wenn Firmeninterna in fremde Hände geraten. Da ist der Ärger vorprogrammiert - so nett die Party auch in Erinnerung geblieben ist.

Früher blieben Regenschirme liegen, heute Aktenschränke im digitalen Miniformat. Prall gefüllt mit Informationen, die Hacker erfreuen und die Businessmafia auf den Plan rufen könnten. Und wer sein lediglich privat genutztes Handy aus den Augen verliert, braucht sich nicht zu wundern, wenn plötzlich in seinem Netzwerk herumgeschnüffelt wird. Da klingt es wie Hohn, wenn 95 Prozent der vom Bitkom befragten Handynutzer behaupten, mit Handy und Co. würden sie an persönlicher Sicherheit gewinnen.

An der digitalen Nabelschnur
Vor allem jüngere Anwender und Geschäftsleute hantieren arglos herum. Vier von fünf 14- bis 29-jährige Handynutzer wollen immer erreichbar sein und ungebremst daddeln. Von den beruflichen Usern kann es schon jeder zweite höchstens für wenige Stunden ohne Telefon und PC aushalten. 40 Prozent derjenigen, die ein Diensthandy nutzen, wollen es gar nicht ausschalten. Besonders schlimm steht es um die Nutzer von Blackberrys, den zu Informationsdrehscheiben aufgerüsteten Telefonen für unterwegs. Ohne Unterlass müssen sie ihre E-Mails checken, um im Business auf dem Laufenden zu bleiben.

Nur den Älteren ist es noch weitgehend suspekt, vertrauenswürdige Dinge dem Zeitgeist zu opfern. Umgekehrt steigen die Quoten der "Silver Surfer" weiter an. So ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch in diesem Nutzerkreis die Verlustraten von Telefonen und Laptops zunehmen - womöglich in atemberaubendem Tempo. Lebensqualität sieht anders aus.
 
Von Josef Bierbrodt