Mobbing - Was tun gegen mentale Gewalt?

Jeder achte Beschäftigte wird im Laufe seines Berufslebens zum Mobbing-Opfer. Wie kann man sich vor Angriffen am Arbeitsplatz schützen und was kann man tun, wenn man von Mitarbeitern oder sogar Vorgesetzten am Arbeitsplatz schikaniert wird?

Mobbing ist weiter verbreitet, als manch einer glaubt: Die Studie des Marktforschungsinstituts IFAK zeigt, dass es die über 50-Jährigen besonders oft trifft. In dieser Altersgruppe haben bereits 20 Prozent Mobbing-Erfahrungen im Unternehmen gemacht. Die Folgen der Angriffe: Mobbing-Opfer gehen weniger motiviert zur Arbeit und sind doppelt so häufig krank wie ihre Kollegen, die nicht belästigt werden. Betroffene beklagen vor allem, dass ihnen Informationen vorenthalten oder sie falsch informiert werden, dass sie vor anderen schlecht gemacht und dass Lügen und Gerüchte über sie verbreitet werden.

Angriffe dokumentieren und Unterstützung suchen
"Nicht jeder Konflikt im Büro wächst sich direkt zum Mobbing aus, in den meisten Fällen findet sich eine Lösung", so die Erfahrung von Horst Vetter, Diplom-Psychologe und Autor des Hörbuchs "Mobbing: Wer sich nicht wehrt, macht was verkehrt". Doch wenn man systematisch schikaniert wird, mit dem Ziel, aus dem Unternehmen gedrängt zu werden - dann wird die Sache ernst. Was kann man tun, wenn man von Kollegen oder sogar Vorgesetzten dauerhaft angegriffen wird? "Ich empfehle zunächst einmal, ein Mobbing-Tagebuch zu schreiben, in dem man Tag, Uhrzeit und die Art der Angriffe dokumentiert", so Horst Vetter. Damit habe man später etwas Konkretes gegen die Täter in der Hand. Der Gang zum Vorgesetzten - oder wenn dieser selber mobbt, zu einer höheren Instanz - sollte nur erfolgen, wenn man Beweise vorlegen kann.

Des Weiteren rät Vetter Mobbing-Opfern, sich einen mentalen Schutzschild zuzulegen, um die Angriffe an sich abprallen zu lassen. "Viele Mobbing-Opfer setzen sich nicht zur Wehr, sie ziehen sich zurück und igeln sich ein", beobachtet der Psychologe. Diese soziale Isolation mache die Situation aber nur noch schlimmer und die Personen angreifbarer. Viel wirkungsvoller sei es, sich stark zu machen und Verbündete zu suchen, die einem wohlgesonnen sind, und mit ihnen gemeinsam gegen die Mobbing-Täter vorzugehen. "Überraschen Sie ihre Widersacher, indem Sie sie direkt auf die Angriffe ansprechen", so Vetters Rat. Im Gegenzug zurückzumobben, wie es einige Ratgeber vorschlagen, hält der Therapeut hingegen nicht für sinnvoll.

Schikanierungen aussitzen
Typische Opfer gibt es seiner Erfahrung nach nicht. "Es kann jeden, auch selbstbewusste Menschen, treffen, sogar Vorstände sind nicht davor gefeit", sagt Vetter und räumt gleichzeitig ein: "Schüchterne Kollegen sind häufiger betroffen als Leute mit einem guten sozialen Netzwerk." Manche Mobbing-Opfer schaffen es, die Anfeindungen auszusitzen, indem sie sich innerlich unangreifbar machen, bis die Täter aufgeben. Andere geben selbst auf und wechseln das Unternehmen. Und immer häufiger gehen Opfer zum Arbeitsgericht und erheben Klage auf Schadenersatz wegen Körperverletzung. Nicht alle haben Erfolg - aber je öfter sich die Gerichte mit dem Thema befassen, umso schwieriger wird es künftig für Mobbing-Täter werden, ungeschoren davonzukommen.
 
Von Sabine Olschner