Mitarbeiterzufriedenheit - Hellauf begeistert oder zu Tode betrübt

Wie sich Arbeitnehmer fühlen, diese Frage spornt die Phantasie vieler Zeitgenossen an. Dass man beim Thema Mitarbeiterzufriedenheit aber zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommt wie drei aktuelle Studien, mag verstehen wer will. Erkenntniswert: Null.

Beginnen wir mit dem Positiven. Vielleicht lässt sich dann das Negative besser verdauen. Die Zufriedenheit in deutschen Unternehmen nimmt wieder zu. Zu diesem Ergebnis kommen die Unternehmensberatung Towers Watson und der Personaldienstleister Job AG. Während die Zeitarbeitsfirma unter Mitwirkung der Marktforscher von TNS Emnid ermittelte, dass Gehalt und Arbeitsatmosphäre als beeinflussende Faktoren weniger auf die Zufriedenheit von Mitarbeitern einwirken als die Arbeitsplatzsicherheit, formulieren Arbeitnehmer laut Towers Watson neue Ansprüche hinsichtlich Karriere, Vergütung und Arbeitsumfeld. Kurz: Nie war das Engagement von Arbeitnehmern so hoch.

Kassandra versus Schönwetterfraktion
Ganz so heiter, wie es die beiden Studien nahe legen, scheint es um das Wohlergehen von Mitarbeitern doch nicht zu stehen. Jahr für Jahr gießt Gallup Wasser in den Wein. Erneut bilanzieren die Marktforscher aus Potsdam: Fast jeder vierte Arbeitnehmer hat seinen Job satt. Anders als Job AG und Towers Watson zieht Gallup das Fazit, nur jeder neunte Arbeitnehmer zeige vollen Einsatz.

Bleiben wir bei Gallup, die Marktforscher erweisen ihrem Kassandra-Ruf alle Ehre. Während jeder vierte Arbeitnehmer innerlich gekündigt habe, schöben 66 Prozent Dienst nach Vorschrift. Der Anteil der engagierten Mitarbeiter sei gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken. Dagegen behauptet die Schönwetter-Fraktion, die Finanz- und Wirtschaftskrise habe die Motivation von Arbeitnehmern kaum angekratzt.

Wunsch als Vater des Gedankens
Interessant ist, wie Job AG zwischen Berufsgruppen hinsichtlich ihrer Zufriedenheit differenziert. So sei nicht nur bei Selbstständigen, Freiberuflern und Landwirten die Motivation wieder auf Topniveau gestiegen. Auch leitende Angestellte und Beamte seien wieder stärker bereit, sich zu engagieren. Arbeiter, Teilzeitkräfte und Beschäftigte, die Gewerkschaftsmitglieder sind, zeigen hingegen fallende Werte. Umgekehrt nahm die Bereitschaft, in die Hände zu spucken, für nichtorganisierte Beschäftigte zu.

Die deutsche Wirtschaft scheint eine einzige Wohlfühloase zu sein. Watson Towers zufolge geht man hierzulande flexibel, engagiert und loyal zu Werke. Lediglich sechs Prozent der Beschäftigten seien gar nicht, 24 Prozent hingegen hoch und 43 Prozent immerhin noch moderat motiviert. Damit nehme Deutschland im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein. Sonst noch Wünsche?
 
Von Josef Bierbrodt