Mitarbeiterbefragung - Mit jeder Stimme Probleme lösen

Wo drückt der Schuh, was könnte besser laufen? Ab einer bestimmten Größe verlieren Manager die Übersicht in ihren Betrieben. Mitarbeiterbefragungen bringen Licht ins Dunkel und bergen die Chance, das Engagement der Belegschaft deutlich zu steigern.

Die Unternehmensberater von Hewitt Associates wollten es genau wissen. Ihre neueste Studie über die Leistungsbereitschaft der europäischen Wirtschaft bringt es an den Tag: Der Anteil der Unzufriedenen und Leistungsverweigerer in den Unternehmen steigt rapide an. Mitarbeiter wenden sich ab, weil sie sich schlecht behandelt fühlen, nicht über wichtige Strategien informiert werden und sich kaum Chancen ausrechnen, nach vorne zu kommen.

Konstruktive Kritik der Mitarbeiter ist gefragt
Doch statt sich darüber zu beklagen, sollten Entscheider mal über Alternativen nachdenken. Wie könnte wieder mehr Spaß an der Arbeit entstehen, welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, dass sich das Klima in Teams und Abteilungen wieder aufhellt? Das einzige Instrument, um zu erfahren, wo der Schuh drückt, ist und bleibt die Mitarbeiterbefragung. Sie vermittelt Einblick in Problembereiche, gibt die Stimmung unter Beschäftigten wieder und enthält zahlreiche Vorschläge, wie kritisierte Sachverhalte oder Prozesse wieder auf Vordermann gebracht werden können.

Auch im Münchner Allianz-Konzern hat man vielfältige Erfahrungen mit Umfragen gesammelt. Lange blieben solche Projekte auf den Kreis der Führungskräfte beschränkt. Als 2006 ein weltweit neues Betriebsmodell eingeführt wurde, ergriff man die Chance, neben den Führungskräften auch die übrigen Mitarbeiter zu befragen. Diese Umfrage soll künftig jedes Jahr stattfinden. Der Fragebogen, der an alle Gesellschaften der Allianz-Gruppe einheitlich ausgeliefert wird, umfasst etwa 70 Fragen. "Wir werden ermitteln, wie Mitarbeiter ihr unmittelbares Arbeitsumfeld beurteilen, wie sie geführt werden und ob sie eigene Ideen einbringen und umsetzen können", erläutert Daniel Dirks. "Zudem werden wir herausfinden, ob Prozesse als schwerfällig oder effizient eingeschätzt werden."

Probleme in ihrem Ursprung lösen
Nach der Datenerhebung, mit deren Planung knapp ein Jahr vorher begonnen wird, folgt die eigentlich wichtigere Aufgabe: Die Analyse der Schwachstellen mündet ein in ein Bündel von Maßnahmen, um konkrete Verbesserungen herzustellen. "Wir können den Ergebnissen genau entnehmen, wie Bereiche geführt werden und wo sich Problemfelder abzeichnen", sagt Dirks. "Unsere Führungskräfte erfahren ziemlich genau, wo sie stehen." Sie müssen schnell einen Aktionsplan entwickeln, dessen Einhaltung in ihre Vergütung einfließt.

Laut Hewitt geht die Allianz damit den richtigen Weg. Nur wo Führungskräfte tatsächlich in die Pflicht genommen werden, für Veränderungen einzutreten und so ihren Mitarbeitern zu zeigen: "Wir tun was", allein dort können Leistungsbereitschaft und Identifikation mit dem Unternehmen steigen.

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Von Winfried Gertz