Mitarbeiter zunehmend unter Druck

Stress und Mehrfachbelastungen von Mitarbeitern nehmen immer weiter zu, denn in deutschen Betrieben werden die Schrauben weiter angezogen. Niemanden scheint es zu wundern, wenn unter solchen Bedingungen der Spaß an der Arbeit verschwindet und die Motivation auf den Nullpunkt sinkt.

Immer mehr Mitarbeiter leiden unter Termin- und Zeitdruck und fühlen sich von ihren Vorgesetzten nicht mehr hinreichend unterstützt. Dies ist das alarmierende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter rund 20.000 Beschäftigten, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin regelmäßig durchgeführt wird. Durch die zunehmende Arbeitsverdichtung steigt das Risiko für Erkrankungen: Jeder zehnte Mitarbeiter sieht seine Gesundheit bereits mehr oder weniger angegriffen.

Neben der Sorge, krank zu werden, befürchten die Beschäftigten auch, ihren Job zu verlieren. Zwar beurteilt die Mehrheit der Befragten die wirtschaftliche Lage ihres Betriebs positiv, doch die Entscheidung zu rationalisieren und Personal abzubauen wird bekanntlich auch in florierenden Unternehmen getroffen. So kommt es nicht von ungefähr, dass jeder achte Mitarbeiter sich fürchtet, bei der nächsten Runde mit von der Partie zu sein.

In der Wahrnehmung des Drucks, dem sie in ihren Betrieben zunehmend ausgeliefert sind, sind Beschäftigte sehr verschieden. Angesichts seiner Qualifikation fühlt sich fast jeder Siebte unterfordert, angesichts des Arbeitspensums fast jeder Sechste überfordert. So räumen etwa 84 % ein, mit Zeitdruck konfrontiert zu sein, jedoch fühlen sich davon nur zwei Drittel belastet. Noch größer ist die Diskrepanz in anderen Punkten. 83 % der Befragten müssen gleichzeitig mehrere Vorgänge bearbeiten, gleichwohl belastet dies nur jeden Vierten. Müssen sich 80 % regelmäßig in neue Aufgaben einarbeiten, fühlen sich lediglich 12 % damit überfordert. Dass 60 % darunter leiden, bei der Arbeit bis an ihre Schmerzgrenzen zu gehen, sollte Verantwortliche allerdings aufhorchen lassen.

Weitere Indikatoren zeigen, wie sehr der Druck steigt. Zum Beispiel arbeiten viele Beschäftigte länger als vereinbart: 61 % arbeiten mehr als vierzig Wochenstunden, obwohl nur ein Drittel vertraglich dazu verpflichtet ist. Nimmt man das alles zusammen, scheint das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter in vielen Firmen ziemlich ramponiert zu sein. Drei von vier Befragten beklagen, ihnen würden Entscheidungen zu spät mitgeteilt oder wichtige Informationen gänzlich vorenthalten. Nur auf jeden zweiten Chef ist stets Verlass, wenn seine Mitarbeiter Unterstützung benötigen.

Diese Entwicklung ist zu Recht zu beklagen, gleichwohl ist sie kein typisch deutsches Phänomen. Nachlässigkeit im Umgang mit ihren Mitarbeitern, mangelnde Aufmerksamkeit und fehlendes Gespür für dringend erforderlich persönliche Zuwendung sind auch in englischen oder französischen Unternehmen zu finden. Jeden dritten Mitarbeiter eines europäischen Betriebs, ergab eine Monster-Umfrage, ärgert die mangelnde Wertschätzung seiner Arbeit. Fast 30 % glauben, ihre Karriere trete auf der Stelle. Bei solchen Quoten müsste in den Chefetagen längst Alarmstimmung herrschen.
 
Von Max Leonberg