Mitarbeiter motivieren - Was Geld nicht leisten kann

Immer wieder beklagen sich Führungskräfte über demotivierte Mitarbeiter. Ob sie allerdings die richtigen Mittel anwenden, um dieses Problem zu lösen, steht auf einem anderen Blatt. Kritiker stellen daher die gängigen Instrumente zur Motivation schon lange in Frage.

Vier von zehn Mitarbeitern fühlen sich von ihren Chefs demotiviert. Das hat die Unternehmensberatung Hays in einer Umfrage unter 3.100 Unternehmen ermittelt. Jeder zweite Befragte gab zu Protokoll, Managern fehle es schlicht an Autorität, um bei ihren Mitarbeitern zu punkten.

Geld allein macht Mitarbeiter nicht glücklich
Jeder kennt diese Gedanken: Man sitzt am Schreibtisch, starrt durchs Fenster ins Blaue und fragt sich: Was tue ich eigentlich hier? Der Körper mag im Büro sein, in der Phantasie ist der Mensch aber ganz woanders. Mangelndes "Commitment" kann dem Arbeitgeber nicht recht sein. Doch was ist zu tun, um gegen schleichendes Desinteresse vorzugehen und Mitarbeiter vom "Dienst nach Vorschrift" abzuhalten?

Das Problem kennen viele Personalchefs. Meist antworten sie darauf mit bis ins letzte Glied differenzierten Vergütungssystemen und Zielvereinbarungen. "Management by Objectives" soll Niedrigleistern Feuer unterm Hosenboden machen und Leistungsträgern das Gefühl vermitteln, der Einsatz habe sich gelohnt. Dreh- und Angelpunkt dieser Philosophie ist der Glaube, mit Geld stelle man alle anderen Motivationsanreize in den Schatten. Hängt man überspitzt formuliert dem Esel die Möhre vor die Nase, zeigt er sich weniger störrisch.

Motivationsforschung ignoriert
Die Annahme, monetäre Anreize seien unschlagbar, um Mitarbeiter zu höherem Einsatz zu veranlassen, ist gelinde gesagt naiv. Wie eine Fülle von Untersuchungen zeigt, stellen sich Menschen dann auf die Hinterbeine, wenn sie wichtige Erfahrungen sammeln oder einer Gemeinschaft angehören wollen. Sie wollen etwas Sinnvolles mit ihrer Arbeit leisten und im Vergleich zu ihren Kollegen fair beurteilt werden. Seien wir ehrlich: Wer kennt schon Manager, die sich auf die Kunst verstehen, auf all diesen Gebieten vorbildlich zu agieren und auf diese Motivationslage ihrer Mitarbeiter hinreichend eingehen können?

Eigentlich hat sich seit 1968 nicht viel geändert in den Betrieben. Damals schrieb der legendäre amerikanische Psychologe Frederick Herzberg sinngemäß über die Grundlagen der Motivation: Wirklich motivieren können Vorgesetzte nicht. Was Mitarbeiter motiviert, komme aus ihnen selbst heraus: aus dem Gefühl, etwas erreichen zu wollen und für die Arbeit gewürdigt zu werden, Verantwortung zu übernehmen und voranzukommen. Geld hingegen und der sprichwörtliche Tritt in den Allerwertesten, die in vielen Betrieben favorisierten Motivationsinstrumente scheiterten laut Herzberg kläglich. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
 
Von Max Leonberg