Mitarbeiter im Glück

Im Fernsehen oder auf der Leinwand wimmelt es nur so vor strahlenden Zeitgenossen. Jenseits der Fiktion herrscht Frust. Vor allem in Büros, wie eine neue Studie zeigt.

Morgens mit einem Lied auf den Lippen zur Arbeit, abends völlig entmutigt zurück: Viele Menschen wollen sich motiviert im Job einbringen, werden aber letztlich davon abgehalten. Nicht nur von mobbenden Kollegen und übel gelaunten Chefs, für Frust sorgen auch mangelhafte IT-Systeme und unausgereifte, lahme Internetanwendungen. Das hat das amerikanische Softwarehaus Computer Associates in einer internationalen Umfrage herausgefunden. Viele Anwender sind nur noch genervt, wie der "Web-Stress-Index" nahe legt.

Internetanwendungen oftmals mangelhaft
Deutschen Angestellten geht es nicht anders. 77 Prozent glauben, mangelnde Web-Performance sei Ursache für Zeitverlust und sinkender Produktivität. 57 Prozent ärgern sich über lange Antwortzeiten, und für 39 Prozent sind schlechte Internetprogramme der wichtigste Grund für schlechte Laune. Unternehmen schlagen Alarm: Nach Berechnungen der EU ist Web-Stress für einen Produktionsverlust von 20 Milliarden Euro pro Jahr verantwortlich.

Einfach den Computer ausschalten, um dem Problem Herr zu werden, ist keine sinnvolle Lösung. Denn ohne Internet und Co. bräche das Geschäft zusammen, Kunden würden einen großen Bogen um Anbieter machen, deren Websites oder Web-Kontakte zu wünschen übrig lassen. Die Umfrage zeigt in aller Deutlichkeit, wie sehr die Wirtschaft bereits von der virtuellen Nabelschnur abhängt: Fast alle Befragten räumen ein, ihren Aufgaben ohne Web-Applikationen nicht nachgehen zu können. 87 Prozent müssen auf Geschäftsanwendungen im Internet zurückgreifen, selbst wenn sie nicht fehlerfrei funktionieren.

Leistungsträger auf dem Sprung
Auf unberechenbare Internet-Lösungen haben inzwischen sogar Glücksforscher ihr Auge geworfen. Dazu zählt der dänische Berater Alexander Kjerulf. Er hat zig Unternehmen auf glücksfördernde und glückshemmende Faktoren untersucht. "Wo viele Mitarbeiter frustriert und gestresst sind, wo hohe Ausfallzeiten und sinkende Produktivität beklagt werden, findet man auch Webanwendungen mit minderwertiger Leistung."

Besser als sich damit abzufinden ist es, Alarm zu schlagen. Wer es sich erlauben kann, fackelt nicht lange herum und zitiert den User-Support herbei. 96 Prozent warten einen Tag, bis das Problem behoben ist, 64 Prozent räumen den Experten dafür eine Stunde ein. Für jeden vierten Befragten sollte bereits nach zehn Minuten alles geregelt sein. Wie viele bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen, wurde nicht gefragt. Fach- und Führungskräfte, die schnell einen neuen Job finden, werden sich gewiss nicht lange bitten lassen.
 
Von Winfried Gertz