Mathematik - Berufsfeld mit hohem Frauenanteil

2008 war das Jahr der Mathematik. Das ehemals verhasste Schulfach etabliert sich mittlerweile als attraktives Berufsfeld - mit sehr hohem Frauenanteil. Nicht zuletzt sorgt der Bezug zum Alltag für die Trendwelle.

Informatikern vergeht Hören und Sehen, wenn sie sich mit Mathematikern vergleichen. 2006, im Jahr der Informatik, wurde viel Geld in die erhoffte Imageverbesserung investiert. Ohne Erfolg: Immer weniger junge Abiturienten schreiben sich für ein IT-Studium ein, die Abbrecherquoten erreichen schwindelerregende Ausmaße und am Ende spucken die Hochschulen Absolventenzahlen aus, die den Bedarf hinten und vorn nicht decken können. Als wäre es nicht genug, beklagen sich Firmen seit Jahren, dass Informatiker anscheinend nicht das Richtige lernen.

Mathematik-Studium beliebt bei Frauen
Solche Probleme kennt man in der Mathematik nicht. Zahlenmäßig meldet sich genug Nachwuchs an den Universitäten. Vor allem die Frauenquote lässt die Herzen von Bildungsplanern hochschlagen. Pikant: Während in der Informatik der Frauenanteil unter Erstsemestern bei knapp 15 Prozent liegt, ist Statistiken zufolge jeder zweite Mathematik-Novize weiblich, selbst wenn man Lehramtsstudentinnen herausrechnet. Würde die Informatik mit der Mathematik gleichziehen, könnte sie ihren lädierten Ruf schnell abschütteln.

Mathematik macht einfach mehr Spaß, sagen zumindest ihre Vertreter. Und da ist was dran. Denn Rechenkunst ist in vielen Dingen des Alltags enthalten: Über das Wetter zum Beispiel reden alle Menschen gern. Prognosen über das Klima beruhen auf mathematischen Modellen. Von ihnen hängt der Katastrophenschutz ab, aber auch wie Bauern für Grundnahrungsmittel sorgen. Schiffsrouten und Flugpläne sind ohne höhere Mathematik nicht mehr denkbar.

Paukfach adé
Kalkulieren müssen viele Menschen in ihrem Beruf, sei es der Bäcker oder ein Investmentbanker. Auch in der Medizin steckt viel Mathe drin: von der computergestützten Operationsplanung über die Entwicklung neuer Medikamente bis hin zur Diagnose und Erforschung von Krankheiten. Kurz: Wer gut rechnen kann, hat jederzeit den Boden unter den Füßen - so alltagsnah ist die Mathematik.

Große deutsche Zahlenakrobaten wie Karl Friedrich Gauß oder Leonhard Euler sind Vorbild für viele junge Leute, die auch das Glück hatten, in der Schule von guten Lehrern gefördert zu werden. Mathematik, ein dröges Fach? Ein alter Hut. Statt stur Formeln zu pauken, lernen Schüler vielmehr das enorme Anwendungsspektrum der Mathematik kennen. An Alltagsphänomenen, mit denen schon jedes Kind vertraut ist, lassen sich komplexe Strukturen viel leichter erkennen.

Schaut man sich die erfreulichen Quoten an Hochschulen an, hat die Mathematik wohl endgültig ihr einstiges Image als "Schreckensfach" abgelegt. Ob in der Frage, wie man eine Torte angemessen aufteilt, oder beim Phänomen von Tieren, die - wie Fische oder Stare - in Schwärmen ihre Bahnen ziehen: Stets ist Mathematik mit von der Partie. Und wenn dann auch noch attraktive Frauen wie Barbara Meier als Mathematiker ihre Visitenkarte abgeben, scheint der Durchbruch wohl tatsächlich gelungen zu sein. Ob die beruflichen Aussichten ebenfalls rosig aussehen, steht freilich auf einem anderen Blatt.
 
Von Max Leonberg