Manager auf der sicheren Seite

Je höher ein Mitarbeiter auf der Karriereleiter steht, um so folgenreicher sind häufig seine Entscheidungen - sowie auch seine Fehlentscheidungen. Damit ein kleiner Fehler nicht zur finanziellen Katastrophe wird, gibt es die D&O-Police, eine spezielle Manager-Haftpflichtversicherung.

Ohne eine D&O-Versicherung (Directors and Officers Liability Insurance) treten viele Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und leitende Angestellte ihren Job gar nicht erst an. Zu groß ist die Gefahr, durch Fehlverhalten dem Unternehmen hohe finanzielle Schäden zuzufügen. Das Risiko für Manager ist hoch, denn diese haften bei Schäden mit ihrem gesamten Privatvermögen. Viele Unternehmen haben mittlerweile für den Fall einer kostspieligen Fehlentscheidung vorgesorgt: Wir gehen davon aus, dass fast alle börsennotierten Unternehmen für ihre Organe eine D&O-Versicherung abgeschlossen haben, so die Einschätzung von Bijan Daftari, der beim Versicherungsunternehmen Chubb den Bereich Specialty Insurance im deutschsprachigen Raum leitet. Aber auch immer mehr mittelständische Unternehmen erkennen die Bedeutung einer Manager-Haftpflichtversicherung.

Gefährdete Branchen
Es käme weniger auf die Größe eines Unternehmens an als auf seine Geschäftstätigkeit und seine Professionalität, so Bijan Daftari weiter. So seien Firmen mit Tochtergesellschaften im Ausland, vor allem in den USA, gefährdeter als Betriebe mit reinem Inlandsgeschäft. Unternehmen aus Branchen mit einer hohen Umsatz- und Ertragsschwankung - wie Hightech, IT, Telekommunikation, Öl, Gas und Energie - sind größeren Risiken ausgesetzt als traditionelle Branchen. Familienunternehmen, die aufgrund von mangelnden Nachfolgern aus den eigenen Reihen Fremdgeschäftsführer einstellen, können sich ebenfalls in einem gewissen Rahmen mit einer D&O-Police absichern. Konzerne mit Börsennotierungen im Ausland unterliegen strikteren Vorgaben als Firmen, deren Aktien nur in Frankfurt gehandelt werden. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je komplexer das Geschäft, um so riskanter die Management-Entscheidungen.

Dabei muss es sich gar nicht immer um weit reichende strategische Entscheidungen handeln. Schon kleine Pflichtverletzungen können zu teuren Schäden werden. Wurde zum Beispiel versäumt, einen Subventionsantrag zu stellen, was dem Unternehmen in Folge einen großen Verlust beschert, kann das Haus von dem verantwortlichen Manager Schadenersatz verlangen. Unterschlägt ein Mitarbeiter Geld, kann die Führungskraft mit der Begründung mangelnde Organisation zur Kasse gebeten werden. Auch wer eine teure IT-Anlage falsch installieren ließ oder ein Angebot nicht korrekt kalkuliert hat, kann in Haftung genommen werden. Vorausgesetzt, der Schaden wurde nicht vorsetzlich oder wissentlich verursacht, tritt die D&O-Versicherung in Kraft. Die Forderungen können dabei sowohl vom eigenen Unternehmen gestellt werden als auch von Dritten: Banken, Lieferanten, Wettbewerber oder Aktionäre. Und das geschieht zunehmend oft: An die Leistungen von Geschäftsführern, Vorständen und anderen leitenden Organen werden immer höhere Anforderungen gestellt, weiß Bijan Daftari.

Schlecht fürs Image?
Wie viele Manager-Haftpflichtpolicen es in Deutschland gibt, ist ungewiss. Denn Unternehmen sprechen nicht gern darüber, dass sie eine D&O-Versicherung abgeschlossen haben. Sei es, um nicht unnötig Ansprüche von Dritten zu provozieren, sei es wegen eines möglichen Imageschadens, wenn bekannt wird, dass das Unternehmen ihre Führungskräfte gegen Fehlentscheidungen versichern muss. Um so wichtiger ist es für Fach- und Führungskräfte in leitenden Positionen, ihren künftigen Arbeitgeber vor Antritt ihres Jobs auf eine bestehende Haftpflichtversicherung anzusprechen. Denn nur wer weiß, dass er im Notfall mit einem Auffangnetz rechnen kann, ist bereit, sein Unternehmen durch Management-Entscheidungen voranzubringen. Andererseits ist eine D&O-Police natürlich kein Freifahrtschein für bewusst riskante Handlungen - in diesem Fall zahlt die Versicherung nämlich keinen Cent.
 
Von Sabine Olschner