Management-Weiterbildung - Aussichten für Frauen

Führungsseminare nur für Frauen machen Sinn, sagen Wissenschaftler. An den führenden Business Schools sind sie dennoch bisher die Ausnahme.

"Wir wissen aus der Forschung, dass sich Minderheiten in einer Gruppe anders verhalten", erklärt Bettina Büchel, Professorin an der renommierten IMD Business School in Lausanne. So erhielten sie zum Beispiel nicht dieselbe Glaubwürdigkeit wie die Mehrheit und seien daher auch stärker darauf bedacht, einen guten Eindruck zu machen. Zeigten sie jedoch schlechte Leistungen, so werde dies doppelt so negativ bewertet, weil sie als Minderheit eben stärker wahrgenommen werden. "Diese Dynamik wollen wir ausgeschalten", sagt Büchel, die das Programm "Strategic Leadership for Women" am IMD leitet.

Einige Business Schools gehen mit gutem Beispiel voran
Die Schweizer Schule sei die erste gewesen, die ein spezielles Leadership-Programm für Frauen angeboten habe. Inzwischen gibt es bereits einige Nachahmer. So bietet die Insead Business School in Fontainebleau bei Paris einen Kurs "Women Leading Change in Global Business" an und die Judge Business School an der britischen Cambridge University verspricht: "Women in Leadership: Strategies for Success".

Vor allem der Titel des IMD-Seminars war es, der Yvonne Benkert gleich angesprochen hat. Schließlich werde gerade das Thema Strategie oft mit Männern verbunden, sagt die Referatsleiterin an der MAN Executive Academy in München. Aber auch die Inhalte klangen verlockend, allen voran die "authentische Führung". Ausschlaggebend seien jedoch letztlich das Renommee der Schule und ihre Internationalität gewesen. "Das IMD ist einfach vom Niveau her ganz oben", erzählt die Psychologin.

Weiterbildung für Frauen auf hohem Niveau
Vom Inhalt her unterscheidet sich das viertägige Programm dagegen nicht von gemischten Seminaren. So geht es im ersten Teil um die klassischen Fähigkeiten, wie das Initiieren von strategischen Visionen und die Implementierung von Veränderungen. Im zweiten Teil steht die Entwicklung der persönlichen Leadership-Fähigkeiten auf dem Plan. Mit einem Test werden dabei die individuellen Motivatoren analysiert. Das Ergebnis wird mit einem Coach besprochen und dann in Kleingruppen weiter bearbeitet.

Die Teilnehmerinnen sind in der Regel zwischen 35 und 50 Jahre alt und kommen aus den unterschiedlichsten Branchen und Ländern. Meist übernimmt das Unternehmen die Programmkosten (10.000 Schweizer Franken). Vor allem die Internationalität und die Vielfalt der Erfahrungen hätten ihr sehr viel gebracht, erinnert sich MAN-Managerin Benkert. "Das war einfach sehr inspirierend und eine gute Gelegenheit, seine eigenen Erfahrungen und sein eigenes Wissen zu hinterfragen", schwärmt die 34-Jährige.
 
Von Bärbel Schwertfeger