Mal auf andere hören

Na, schon wieder eine Bewerbung in den Sand gesetzt? Für viele bricht schier die Welt zusammen, wenn sich die Pechsträhne einfach nicht abschütteln lässt. Doch gemach: Übung macht den Meister.

Karrierecoachs und selbst Berater der Arbeitsagentur können ein Lied davon singen: Noch immer glauben viele Hochschulabsolventen, ihr Examen berechtige sie zum freien Eintritt in die bunt schillernde Berufswelt. Dabei kommt es auf "Personality" an: Wer souverän und freundlich auftritt, sticht den Rest einfach aus. Trampeltiere oder mürrisch dreinblickende Nerds werden selten bevorzugt, egal ob sie Einsteiger oder berufserfahren sind.

Persönlichkeitsprofil ausloten
Wer sich demnächst bewerben will, sollte frühzeitig mit sich selbst ins Gericht gehen und seine persönlichen Stärken und Schwächen ausloten. Um herauszufinden, ob man auch "authentisch rüberkommt" und andere Menschen nicht dauernd vor große Rätsel stellt, empfiehlt sich ein so genanntes Polaritätenprofil. Links auf einem Blatt Papier einige Persönlichkeitsmerkmale vertikal anordnen, zum Beispiel "belastbar", "kreativ", "selbstbewusst", "zuverlässig", "lernfähig" und "humorvoll" und im zweiten Schritt auf der horizontalen Ebene mit einer Werteskala verknüpfen, etwa von "-3" für schwach ausgeprägt bis "+3" für stark ausgeprägt. So ergibt sich ein feines Raster, das eine Zickzack-Kurve beschreibt, solange alle Persönlichkeitsmerkmale mit der gebotenen Ehrlichkeit eingeordnet werden.

Am besten ist es, die subjektive Selbsteinschätzung mit der Sicht anderer Menschen zu vergleichen. Freunde können einen sehr gut beurteilen, weil man sich nahe steht. Auch Arbeitskollegen um Rat zu bitten, kann sich lohnen. Stimmen Selbst- und Fremdbild überein, ist dies ein wichtiges Indiz für Stärken, aber auch für Schwächen. Für viele Menschen kann ein solches Polaritätenprofil goldwert sein. Es ist voller Hinweise darauf, wie es um die Persönlichkeit tatsächlich bestellt ist.

Stärken fördern
Es zeigt aber auch, wo Entwicklungsbedarf besteht: Wer nicht gern kritisiert wird, kann genauso daran arbeiten wie jemand, dem es schwer fällt, seine Meinung zu artikulieren oder der in seiner Gefühlswelt nicht sicher ist. Man muss nicht gleich zur Volkshochschule gehen und entsprechende Kurse belegen. Sich täglich neue Ziele zu setzen und immer wieder bestimmte Situationen aufzusuchen, lohnt sich mindestens genauso, um erkannte Schwächen ab- und Stärken gezielt auszubauen.
 
Von Max Leonberg