MBA-Studium: Fit für einen Management-Job

Der Master of Business Administration (MBA) bietet Ingenieuren, die ihre klassischen Berufsfelder in Richtung Management-Funktionen verlassen wollen, interessante Perspektiven. Einige Beispiele zeigen warum und was zu beachten ist.

Fünf Jahre hatte Holger Klemm im Bereich Forschung und Entwicklung in einem Medizintechnik-Unternehmen gearbeitet. Dann wollte sich der Elektroingenieur weiterentwickeln und eine Aufgabe mit mehr Managementverantwortung übernehmen. Doch bei der Jobsuche stieß er immer wieder an eine Grenze: "Mir fehlte einfach das betriebswirtschaftliche Wissen", erzählt der 33-Jährige. Klemm entschied sich für ein Studium zum Master of Business Administration (MBA). Das praxisorientierte General-Management-Studium setzt einen ersten Hochschulabschluss voraus und umfasst die Ausbildung in allen Bereichen der Unternehmensführung - vom Finanzmanagement über Strategie und Produktion bis hin zur Personalführung.

Qualitätsmerkmal Akkreditierung
Bei der Wahl des MBA-Anbieters ging Klemm auf Nummer sicher und entschied sich für ein zweijähriges Vollzeitstudium am IESE in Barcelona und damit für eine der besten Business Schools in Europa. Denn anders als der Doktortitel hat der MBA an sich keinen Wert. Was zählt, ist das Renommee der Schule, an der er erworben wurde. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist dabei die internationale Akkreditierung durch die AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business) oder EQUIS (European Quality Improvement System). Deutsche Akkreditierungsagenturen überprüfen dagegen nur die Einhaltung von Mindeststandards. "Der MBA-Abschluss von IESE war für mich die Eintrittskarte für zahlreiche Bewerbungsgespräche", sagt der Ingenieur. Seit Mai 2006 hat er einen gut bezahlten Job als Health Economist bei Johnson&Johnson und die Aussicht auf eine Führungsposition. "Heute habe ich einfach ein viel besseres Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhänge und kann mich selbst mit einem Topmanager auf gleicher Augenhöhe unterhalten", so der 33-Jährige. "Als Ingenieur hätte ich das nie gekonnt."

MBA dokumentiert Kompetenz
Wie Horst Klemm entscheiden sich immer mehr Ingenieure für ein MBA-Programm, um sich fundierte Managementkenntnisse anzueignen. "Kandidaten, die sowohl über technische als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen, sind äußerst gefragt", bestätigt Sörge Drosten, Executive Vice President bei der Personalberatung Kienbaum. Dabei dokumentiere ein MBA deutlich mehr Kompetenz als ein Betriebswirtschaftskurs. Ein weiterer Pluspunkt sei die Internationalität der Ausbildung. Denn bei guten Programmen findet der Unterricht vorwiegend in englischer Sprache statt und die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt.

"Gerade für Ingenieure ist die Verbindung von Managementwissen mit technischem Fachwissen eine ideale Plattformstrategie, mit der sie für die unterschiedlichsten Aufgaben geeignet sind", betont auch Ulrich Winkler, Managing Director der Goethe Business School, die seit 2005 zusammen mit der renommierten amerikanischen Duke University ein berufsbegleitendes MBA-Programm anbietet. Die 37 Teilnehmer kommen aus zehn Ländern und den unterschiedlichsten Branchen. Sie sind im Durchschnitt 33 Jahre alt und bringen neun Jahre Berufs- und Führungserfahrung mit.

MBA als berufliche Weiterentwicklung
Auch für Dirk Kollmar war das MBA-Studium genau das Richtige. Nach seinem Ingenieurabschluss in Frankreich war er bei dem mittelständischen Maschinenbauunternehmen KSB AG in Frankenthal zunächst fünf Jahre im Bereich der Pumpenentwicklung tätig. Dann promovierte er und entwickelte aus seiner wissenschaftlichen Arbeit ein neues Produkt, das er dann bei seinem Arbeitgeber als Projektmanager realisierte. "Plötzlich musste ich mich mit Themen wie Kundenansprache oder Preisfindung beschäftigen", erzählt der 39-Jährige. "Das war für mich völliges Neuland." Weil er seinen Job nicht aufgeben wollte, entschied er sich für das berufsbegleitende MBA-Programm der Mannheim Business School, das diese gemeinsam mit der französischen Topschule ESSEC bei Paris anbietet. "Der MBA gibt mir einen breiten Überblick über die verschiedensten Themen", schwärmt der Ingenieur. Profitiert hat er dabei vor allem auch vom Austausch mit den Teilnehmern aus anderen Funktionen, Branchen und Ländern. "Jetzt weiß ich, wie ein französischer Banker denkt und verstehe daher auch meinen Controller besser", erzählt Kollmar.

Ein Zuckerschlecken ist das Studium neben dem Beruf nicht. Durchschnittlich 20 Stunden pro Woche müssen die Teilnehmer ins Studium investieren. Da müssen Lehrbücher gelesen, Hausarbeiten bearbeitet und Fallstudien vorbereitet werden. Dabei legt man in Mannheim großen Wert darauf, dass das Gelernte auch direkt am eigenen Arbeitsplatz angewendet wird. Für Kollmar hat sich das Büffeln bereits gelohnt. Im Juni bekam er sein MBA-Zeugnis, ab November tritt er bei der KSB AG seinen neuen Job als Leiter der Angebotsabteilung für die umsatzstärkste Pumpenbaureihe des Unternehmens an. Zudem ist er für die internationale Geschäftsentwicklung der Baureihe zuständig. "Da kann ich mein neu erworbenes Management- und Strategiewissen gleich anwenden und vertiefen", freut sich Kollmar.
 
Von Bärbel Schwertfeger