Lifestyle in Grün

In Deutschland entwickelt sich ein neuer Konsumententyp und immer mehr Menschen werden zum LOHAS. Ich bin ein LOHAS und Sie vielleicht auch.

Ein LOHAS, ein etwas sperriges Kürzel für Lifestyle of Health and Sustainability, liebt den Genuss, den Luxus und die Bequemlichkeit, hat Sinn für das Moderne und verbindet das alles mit einem sehr ausgeprägten Umwelt- und Sozialbewusstsein.

Übrigens, LOHAS bedeutet im Chinesischen "glückliches Leben", das finde ich sehr zutreffend.
Schätzungsweise 30 Mio. Menschen in Deutschland fühlen sich von diesem Lebensentwurf angesprochen. Ich persönlich finde das etwas zu optimistisch, wenn es aber zutrifft, dann wäre das eine entscheidende Trendwende. Im Gegensatz zu der Ökobewegung der letzten Jahrzehnte, die uns den Verzicht predigte und jeglichem Genuss und Luxus missbilligend gegenüberstand, ist die neue Bewegung eine sehr realistische Umsetzung dieser Ökoidee in Einbeziehung unserer heutigen Situation.

Ein LOHAS hat Vergnügen am konsumieren, jedoch mit klaren Vorgaben.
Nicht mehr Geiz, sondern Grün ist geil. Qualität ersetzt Quantität. Der Preis entscheidet nicht mehr über den Kauf eines Produkts, sondern die Arbeits- und Umweltbedingungen bei der Herstellung. In meiner Jugend gab es ein tolles Zitat: "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin" Ein LOHAS denkt: "Stell dir vor, der Markt produziert Mist und keiner kaufts"

Mit den Powerkonsumenten wird der Egoismus des Einzelnen in unserer Gesellschaft nicht verschwinden, jedoch haben schon sehr viele begriffen, dass ihr persönliches Glück und Wohlbefinden, sowohl von ihren Mitmenschen als auch von einer intakten Umwelt abhängig sind. Die LOHAS sind ein neuer Menschenschlag, sie leben, kaufen und essen verantwortungsvoll und haben trotzdem einen modernen Lebensstil. Auch die Veränderungen auf den internationalen Märkten zeigen, dass das LOHAS-Phänomen keine kurzlebige Sache ist.

Ökomode ist richtig trendy geworden und exklusive Modemarken umwerben die neuen Käufer mit moralisch und ökologisch einwandfreier Designerware. Aus Reformhäusern und Ökoläden werden gestylte Bio-Feinkosttempel und sogar das Geld kann umweltfreundlich und ethisch einwandfrei angelegt werden. Die 130 Ökofonds im deutschsprachigen Raum haben ihr Anlagevolumen in sechs Jahren von 1,6 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro gesteigert. Auch in der Berufswelt hat sich viel verändert. Der sichere Arbeitsplatz ist laut einer Umfrage nur noch jedem Vierten das wichtigste Kriterium bei der Jobentscheidung. Die meisten der Befragten möchten an ihrem Arbeitsplatz ihren Horizont erweitern, sich mit ihren Kompetenzen verwirklichen können, gemeinschaftlich und mit Spaß an einem Projekt arbeiten.

So, ich muss jetzt weg. Meine Kinder möchten die Kühe kennenlernen, die uns die Milch liefern. Ein LOHAS kann das.
 
Von Adriane Böhm