Leistungsträger auf Wanderschaft

Im internationalen Markt für Fach- und Führungskräfte wird mit harten Bandagen gekämpft. Eine neue Studie zeigt, welche Länder Leistungsträger verlieren und wo sie willkommen sind. Fakt ist: Trotz Krise hat das Ringen um die besten Köpfe nicht nachgelassen.

Dass Leistungsträger abwandern und die Lücke nicht von anderen Talenten geschlossen werden kann, diesen "Brain Drain" kann und darf keine Volkswirtschaft fahrlässig hinnehmen. Über die Frage, wie der Import-Export-Saldo tatsächlich ausfällt, gibt es Spekulationen aber keine Zahl. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie des britischen Marktforschungsinstituts Omis Research, das sich die Wanderbewegungen von gut 20.000 hochqualifizierten Arbeitsmigranten näher angeschaut hat.

Leistungsträger suchen das Geld
Eine Zahl wie ein Paukenschlag: Jede sechste Spitzenkraft hat 2009 den Schritt ins Ausland gewagt. Überwiegend Manager der zweiten und dritten Ebene oder Projektleiter suchten das Weite. Während sich der Abfluss von Leistungsträgern in Deutschland, Frankreich und Italien mit 10 Prozent Anteil nicht zuletzt wegen der vergleichsweise guten Gehälter in Grenzen hält, schlägt er in Großbritannien, Spanien, Holland oder Österreich in doppelter Höhe zu Buche. In Osteuropa kletterte die Abwanderungsquote sogar auf 50 Prozent.

Obwohl sich auch in den Niederlanden jede vierte Fach- und Führungskraft zum Karriereschritt ins Ausland entschließt, fällt das Saldo positiv aus. Beim "Netto-Talente-Import" werden die deutschen Anrainer nur vom Spitzenreiter Schweiz geschlagen. In diese Länder ziehen mehr Leistungsträger, als von dort abwandern. Knapp dahinter rangieren Skandinavien, Italien, Belgien und Frankreich mit ebenfalls positiven Quoten. Für Deutschland als neue Karriereetappe entschieden sich 2009 weniger Talente als von der Wirtschaft erhofft. Dass selbst höchste Lebensqualität nicht ausreicht, musste die Alpenrepublik Österreich bitter erkennen. Das Land weist mit einem Minus von sechs Prozent die schlechteste Bilanz auf.

Berater sind flexibel
Hinsichtlich der Berufsgruppen haben sich Berater als mobilste Fachkräfte erwiesen. Europaweit entfallen 14 Prozent auf diese Berufsgruppe. Jeweils mit 10 Prozent Anteil folgen Bank- und Finanzexperten sowie IT-Spezialisten. Unangefochtener Spitzenreiter sind jedoch deutsche Leistungsträger aus der Automobilwirtschaft. Mit 37 Prozent sind sie in der Talentimmigration eine Klasse für sich, weit abgeschlagen folgen ihre französischen Kollegen, die es auf 16 Prozent Anteil bringen. Auch deutsche Telekommunikationsfachleute sind im Ausland stark gefragt.
 
Von Max Leonberg