Kultur bestimmt Unternehmenserfolg

30 Prozent des Unternehmensgewinns vor Zinsen und Steuern sind durch eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur erklärbar. Der wichtigste Erfolgsfaktor dabei ist der Stolz der Mitarbeiter auf das Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Psychonomics in Köln.

Die Studie, bei der im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit 37.151 Mitarbeiter in 314 Unternehmen befragt wurden, belegt eine signifikante Korrelation zwischen Unternehmenskultur, dem Engagement der Mitarbeiter und dem Unternehmenserfolg. Der wichtigste Treiber für das Engagement der Mitarbeiter ist dabei Stolz, gefolgt von dem "Wir-Gefühl" (Teamorientierung) und Fairness. Wer daher glaube, wenn seine Mitarbeiter zufrieden sind, dann stelle sich der unternehmerische Erfolg automatisch ein, der müsse umdenken, erklärt Andreas Schubert, Vorstand der Psychonomics AG in Köln. Auch wer vor allem auf Kundenorientierung setze, werde nicht sonderlich erfolgreich sein.

"Wirtschaftlich erfolgreiche Kulturen fokussieren sich auf die Schaffung von Stolz und Identifikation als oberstem Führungsziel", erklärt Schubert. Sie vermittelten gemeinschaftliche Visionen und Ziele und sie behandelten den Einzelnen als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft. "Damit bekommt auch das Personalmanagement eine neue Rolle", sagt der Psychonomics-Vorstand. "Es muss die Unternehmenskultur implementieren und verteidigen." Sein Fazit: Unternehmen, die unterdurchschnittlich erfolgreich sind, setzen auf den Preis. Überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen dagegen auf das Engagement der Mitarbeiter.

Aufschlussreich ist dabei auch der Vergleich der neuen Studie mit den Top 50 des Wettbewerbs "Deutschlands beste Arbeitgeber". Die Aktion wird jährlich im Rahmen des von der Europäischen Union initiierten und in 32 Ländern aktiven Projektes "Great Place to Work" von Psychonomics in Deutschland und Österreich durchgeführt. Auch dort sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die hohe Qualität eines Arbeitsplatzes Vertrauen (Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness), Stolz und Teamorientierung.

Sind bei den Befragten der neuen Studie 63 Prozent stolz darauf, anderen erzählen zu können, wo sie arbeiten, so sind es bei den Top 50 sogar 90 Prozent. Die Bereitschaft, mehr zu leisten, zeigen 64 Prozent der Befragten in der neuen Studie, aber 89 Prozent bei den Top 50. "Es ist also keineswegs so, dass wir in Deutschland massive Probleme mit der innerlichen Kündigung haben", sagt Schubert in Anspielung auf die viel zitierte Gallup-Studie.

Ergebnisse aus den USA zeigen zudem, dass die Fluktuationsrate bei den "Besten Arbeitgebern" deutlich geringer ist. Besonders eklatant ist der Unterschied im Hotel- und Gastgewerbe. Während die Wechselquote bei den "Besten Arbeitgebern" bei 18 Prozent liegt, ist sie im Branchendurchschnitt mit 48 Prozent mehr als zweieinhalb Mal so hoch. Auch in der Beratung und Technologie- und Telekommunikationsbranche leiden die "Besten Arbeitgeber" unter einer halb so großen Fluktuationsrate als der Durchschnitt.

Im Auftrag des Ministeriums arbeitet Psychonomics derzeit auch an einem neuen Rating für Humanvermögen. Das Projekt basiert auf den neuen Eigenkapitalvorschriften Basel II, die von den Unternehmen auch beim Thema Personal Nachhaltigkeit fordern. Eingebunden in das Projekt sind derzeit rund 60 Unternehmen. Sparkassen und Banken hätten bereits zugesagt, das neue Rating nutzen zu wollen, sagt Schubert. Damit werde dann auch nach außen sichtbar, wie ein Unternehmen sein Humankapital pflegt.
 
Von Bärbel Schwertfeger