Kündigungen wie in Hollywood?

Wer sich schon einmal  George Clooney im Film "Up in the Air" angeschaut hat, dem mag beim Gedanken an eine Kündigung ganz schummerig werden. Natürlich ist die Kündigung nie eine angenehme Sache - aber so unbarmherzig wie im Film wird mit deutschen Arbeitnehmern in der Regel nicht umgegangen.

In dem Hollywood-Streifen über Ryan Bingham, der in die Firmen geschickt wird, um Angestellte zu feuern, geht es ordentlich zur Sache: Kündigungen werden von jetzt auf gleich ausgesprochen, statt persönlichen Gesprächen bekommen die Betroffenen Flyer in die Hand gedrückt, und seine Partnerin kommt gar auf die Idee, zur Zeitersparnis Videokonferenzen für die Überbringung der schlechten Nachricht einzusetzen. Was ist wirklich dran an den Filmgeschichten? Heike Cohausz, geschäftsführende Gesellschafterin der Unternehmensberatung Rundstedt HR Partners, über Wahrheit und Fiktion:

Fiktion: Ein Externer spricht die Kündigung aus
Wahrheit: "Nur ein Mitarbeiter des Unternehmens kann die Kündigung aussprechen, und zwar in schriftlicher Form. Üblicherweise ist es Aufgabe des Vorgesetzten, seinem Mitarbeiter die Botschaft zu überbringen - auch wenn viele Chefs Angst davor haben. Aber das gehört einfach auch zu den Aufgaben einer Führungskraft dazu. Manchmal ist auch ein Vertreter der Personalabteilung oder des Betriebsrats anwesend."

Fiktion: Die Kündigung erfolgt mit sofortiger Wirkung
Wahrheit: "In Deutschland unterliegen die meisten Arbeitnehmer dem Kündigungsschutz, so dass fristlose Kündigungen nur in Ausnahmefällen möglich sind. Betroffene sollten auf jeden Fall den Betriebsrat einschalten, der prüfen kann, ob eine Kündigung formal korrekt ist. Darüber hinaus kommt kaum eine Kündigung aus heiterem Himmel - in den meisten Fällen kann der Mitarbeiter an der Stimmung im Hause erkennen, dass Entlassungen bevorstehen."

Fiktion: Die Kündigung erfolgt per Videokonferenz
Wahrheit: "Eine Kündigung muss formal schriftlich erfolgen. Das heißt, dass mündliche Kündigungen wirkungslos sind. Man kann keinen Mitarbeiter über eine Videokonferenz kündigen, genauso wenig wie über SMS oder E-Mail."

Fiktion: Ein Flyer ersetzt das persönliche Gespräch
Wahrheit: "Wenn es eine Führungskraft gut machen will, teilt er seinem Mitarbeiter die Kündigung persönlich mit - am besten am Anfang der Woche, damit der Mitarbeiter nicht mit der schlechten Nachricht am Wochenende alleingelassen wird. Idealerweise bekommt der Mitarbeiter dann ein Eckpunkte-Papier ausgehändigt, in dem Details zu den Bedingungen der Kündigung stehen, wie etwa das Ende des Arbeitsverhältnisses, eine mögliche Freistellung, Abfindung oder Unterstützung des Unternehmens bei der Suche nach einem neuen Job."

Grundsätzlich rät Heike Cohausz allen Arbeitnehmern, denen gekündigt wurde, nach dieser Nachricht besonnen vorzugehen:

  • Man sollte aus seinem Ärger heraus nicht für den Rest der Anstellungszeit die Arbeit verweigern, sondern dafür sorgen, dass man im Guten auseinandergeht und ein wohlwollendes Zeugnis erhält - schließlich sind Referenzen wichtig für die künftige Stellensuche.
  • Man sollte eine ordentliche Übergabe an seinen Nachfolger beziehungsweise Stellvertreter vorbereiten.
  • Man darf Wissen, das man erworben hat, selbstverständlich zum nächsten Arbeitgeber mitnehmen - nicht aber Dokumente oder Kundenkontakte. Geschäftsgeheimnisse müssen natürlich auch nach Verlassen des Unternehmens gewahrt werden.

 
Von Sabine Olschner