Kreativität und berufliches Potenzial

Die Schlüsselkompetenz Kreativität ist stets hoch im Kurs. Kein Wunder, denn mit ihrer Hilfe lassen sich Probleme lösen, die mit gewohnten Verhaltensweisen nicht mehr zufriedenstellend bewältigbar sind, oder es lassen sich neue Produkte entwickeln und unbekannte Märkte erschließen. Und das Allerbeste ist, dass kreatives Potenzial sich trainieren lässt.

"Kreative Handlungen und Ideen werden durch günstige Umweltfaktoren und durch bestimmte Arbeitstechniken gefördert", erklärt Prof. Dr. Siegfried Preiser, Hochschullehrer am Institut für Pädagogische Psychologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Laut Preiser basiert Kreativität auf bestimmten positiven Persönlichkeitsmerkmalen und Denkstilen (wie z. B. Neugier, Unabhängigkeit oder Konflikttoleranz). Im Berufsleben kann sie durch das Arbeitsklima blockiert oder unterstützt werden: etwa durch Konformitätsdruck oder durch Anregungen in einer Arbeitsgruppe.

Optimale Bedingungen für kreative Ideen
Die Umgebung hat ebenfalls einen wesentlichen Einfluss darauf, ob Ideen sprudeln oder nicht. Auch hier gilt das Kreativitätsprinzip der Veränderung: Es ist durchaus förderlich, den Arbeitsplatz am Schreibtisch, der oft mit negativen Assoziationen wie Stress oder Druck verbunden ist, gegen eine inspirierende Umgebung einzutauschen. Eine neue Umgebung befreit den Geist. Dies und ein entspannter Organismus sind die Voraussetzungen dafür, dass sich kreative Gedanken überhaupt entwickeln können.

Selten stellt sich eine "Erleuchtung" ein, während man unter Druck auf ein weißes Papier starrt und unbedingt und möglichst auf der Stelle den kreativen Gedanken erzeugen will. Es ist zwar notwendig, das vorliegende Problem gründlich zu analysieren, sich in die Fakten einzuarbeiten und über das zu erreichende Ziel klar zu werden, dann aber empfiehlt Kreativitätsforscher Preiser, Distanz zum Problem zu schaffen und Neues ins Blickfeld zu nehmen, um Assoziationen bilden zu können. Die Lösung kann sich so mehr oder weniger automatisch bzw. unbewusst einstellen.

Kreativ-Potenzial fördern
Laut Professor Preiser begünstigt die vitale Energie die Bereitschaft, Schwachstellen nicht einfach hinzunehmen, sondern sich mit möglichen Lösungsansätzen zu beschäftigen. "Sorgen, Misserfolge, Ablenkungen und fehlender Schwung beeinträchtigen die Vitalität", so der Kreativitätsforscher. Das eigene kreative Potenzial erhöht sich daher auch durch sportliche Betätigung, wie z. B. morgendliches Schwimmen oder Spazieren gehen. Am Arbeitsplatz sollte der müde Organismus durch körperliche Aktivität, frische Luft und - wenn es sein muss - durch eine Tasse Kaffee oder Tee aktiviert werden. Denn nur ein wacher Körper ist empfänglich für die Eindrücke seiner Umwelt.

Eines ist also klar: Kreativ sein kann jeder - darüber sind sich die Forscher einig. Und individuelles kreatives Potenzial kann sogar durch Übung verbessert werden, sofern man sich günstige Voraussetzungen und eine gewisse Kopffreiheit verschafft.
 
Von Carsten Hennig