Kreativität nach Plan

Ohne kreative, neue Ideen kann kein Unternehmen langfristig überleben. Und nur mit Vertrauen auf unsere Kreativität wagen wir etwas. Und nur mit Kreativität meistern wir Schwierigkeiten. Kreativität ist damit eine Grundvoraussetzung für Erfolg. Manchmal jedoch scheint dieser Fluss von "Eingebungen" ins Stocken zu geraten.

Das muss jedoch nicht sein und wird kaum auftreten. Denn Kreativität ist steuer- und stimulierbar.
Die wichtigste Voraussetzung zum Kreativsein besteht in der eigenen Überzeugung, kreativ zu sein. Wenn Sie diese Überzeugung nicht haben, sollten Sie sich diese systematisch erarbeiten.

Machen Sie sich deshalb immer Notizen, wenn Ihnen etwas auf- oder einfällt. Notieren Sie sich Ihre Ideen und Gedanken in wenigen, höchstens drei kurzen Sätzen oder Stichwörtern. Oder nutzen Sie die Memo-Funktion Ihres Handys oder MP3-Players - so halten Sie schneller und damit "spontaner" Ihre privaten und geschäftlichen Ideen fest. Forsten Sie dann an festen Zeiten - mindestens zwei Mal wöchentlich - die Sprachnotizen durch und schreiben Sie die Gedanken auf, die Ihnen besonders wichtig erscheinen. Bei der Arbeit im Büro können Sie sich auch selbst E-Mails mit dem Wort "IDEE:" im Betreff schreiben. Dann können Sie diese leicht in einer ruhigeren Phase aus den E-Mails wieder herausfiltern, in Ihre Kreativ-Datei kopieren und dort strukturieren. So dokumentieren Sie, wie kreativ Sie sind. Damit wächst Ihr Vertrauen in Ihre Kreativität und Ihr Selbstbewusstsein.

Schauen Sie immer wieder in Pausen in Ihren Block oder Ihre Kreativitätsdatei. Machen Sie sich Skizzen, um Ihre Ideen zu konkretisieren und hängen Sie diese dorthin, wohin Sie häufig schauen. Räumen Sie gleichzeitig die Dinge weg, die Ihre Gedanken schwer und träge werden lassen. So schaffen Sie eine leichte Umgebung der Veränderbarkeit, die Sie inspiriert und nicht erdrückt.

Suchen Sie hartnäckig, konzentriert, aber nicht verbissen, nach Lösungen für ein Problem. Lassen Sie sich von dem Gefühl leiten, dass es eine Lösung gibt - nur muss die Lösung noch entdeckt werden. Konkretisieren Sie deshalb das Ziel und stellen Sie Bedingungen auf, die die Lösung erfüllen muss - damit wird das Problem operabel und dann wird Ihr Gehirn auch nur auf diese Zielrichtung hin denken und zu weitab liegende Einfälle gar nicht erst entstehen lassen.

Suchen Sie ungewohnte Perspektiven. Probieren Sie deshalb zum Beispiel verschiedene Wege zum Ziel aus: Denken Sie nicht nur zum Ziel hin, sondern versuchen Sie auch, von anderen Ausgangspunkten hin zum Ziel zu kommen und versuchen Sie auch vom Ziel den Weg zu Ihrer jetzigen Situation zurück zu verfolgen. So entdecken Sie neue Lösungswege, die Ihnen aus Ihrer jetzigen Perspektive her verbaut sind.
Distanz - zeitliche, räumliche und emotionale - ist ebenfalls ein gutes Instrument für eine neue Perspektive. Lassen Sie deshalb ein Problem liegen und widmen Sie sich einer anderen interessanten Aufgabe.
Die belebende Distanz können Sie auch durch andere Techniken gewinnen: Durch die schon erwähnten Skizzen, Rollenspiele, Selbstgespräche oder das imaginäre Durchspielen von Situationen. Hochleistungssportler machen es ebenso: Sie gehen jeden Meter einer Piste vor der Abfahrt gedanklich wieder und wieder durch. Was werden die Verhandlungspartner sagen? Welche Stimmung wird Ihnen dort entgegen gebracht? Entwickeln Sie so Strategien, wie Sie Ihr Ziel am besten erreichen und wie Sie Hindernisse meistern. Spulen Sie den Gesprächsverlauf vor und zurück. Verbessern Sie Ihre Strategie. Letzten Endes wird das Gespräch wahrscheinlich nicht so verlaufen, wie Sie es sich gedacht haben - aber Ihre Argumente werden besonders wirkungsvoll sein, weil sie die Materie schon "durchdacht" haben und sofort mit Einfällen glänzen können. Begrenzen Sie diese Phasen des Sichhineinversetzens, indem Sie sich einen Timer stellen. So spornen Sie sich zu Effektivität an und bestimmen vorher genau den für Sie angemessenen zeitlichen Aufwand für eine solche Vorbereitung.

Hören Sie auf Ihren Bauch! Lassen Sie sich von Gefühlen leiten, wo etwas "noch hakt". Finden Sie Lösungen, damit dieses Gefühl verschwindet. So finden Sie neue Wege, um Situationen zu meistern.

Verfolgen Sie Ihre besten Ideen weiter, aber nicht nur eine Idee. Seien Sie immer bereit, Ihre Ideen zu verbessern und nach Alternativen zu suchen - daraus entstehen die besten, ausgereiftesten und wirkungsvollsten Ideen. Kreativität ist keine göttliche Eingebung, sondern ein meist sehr mühsamer Prozess. Der blinde, spontane Erfolg ist sehr selten.

Lassen Sie sich von außen auftanken
- emotional, intellektuell, kulturell: Durch ein Buch, einen Blick auf eine stets interessante Seite im Internet, einen Besuch in einem Musikkeller oder einem Theater, eines Museums oder eines guten Lokals. Das schafft auch Distanz und regt Ihre Sinne an.

Sammeln Sie in einer Phase, in der Sie von Ideen überquellen, Hinweise auf solche "Tankstellen". Legen Sie einen "Schatz an Ideen" an: Notieren Sie sich Empfehlungen für ein gutes Buch oder Erwähnungen interessanter Gedanken.
Notieren Sie sich, sobald Sie eine geniale Idee haben haben auch minutiös, wie Sie zu diesem Einfall gekommen sind. Denken Sie immer wieder über Ihr Denken nach und optimieren Sie die Denkwege, die Sie zum Erfolg führen und Ihnen eine Idee zuspielen.

Machen Sie etwas genau anders herum als gewohnt - seien Sie "unvernünftig". Der Harvard-Psychologe und Kreativitäts-Experte David Perkins zum Beispiel erzählt, wie ihn sein Sohn überredete, beim Apfelzerschneiden zuzuschauen. Er war erstaunt: Der Sohn schnitt den Apfel "falsch" herum, nämlich quer zum Stiel auf. "Im Querschnitt bildete der Kern des Apfels einen fünfzackigen Stern", berichtet er. "Wie viele Äpfel hatte ich in meinem Leben gegessen, auf die herkömmliche Weise durchgeschnitten und niemals das verborgene Muster beachtet?", fragt er sich heute.

Seien Sie im Beruf offen für Veränderungen, für gute, offene, voranbringende Gedanken - und signalisieren Sie dies. Aber wählen Sie dabei unter mehreren Alternativen aus. Die erstbeste Alternative als Experiment zuzulassen, ist meist falsch. Lassen Sie sich auf Versuche und Experimente ein - aber bauen Sie auch immer Sicherungen und Kontrollen ein, damit Fehler leicht bemerkt werden und umgesteuert wird, wenn etwas schief geht. Denn Kreativität ist der Schlüssel - aber kein Garant des Erfolgs.
 
Von Peter-Paul Weiler