Krank - Was nun?

Es kann jeden treffen, entweder wie ein Blitz aus heiterem Himmel oder aber auch ganz schleichend. Eine Erkrankung wirft das gewohnte Leben aus den eingefahrenen Bahnen. Gerade für Mütter und Väter, die nicht selten beide berufstätig sind und so bereits unter gewöhnlichen Umständen die Kinderbetreuung Tag für Tag bewerkstelligen müssen, kann der krankheitsbedingte Ausfall eines Elternteils ganz enorme Folge nach sich ziehen.

Um wenigstens die Haushaltsführung in solchen Fällen weiter am Laufen zu halten, sieht das Gesetz zwei Fälle vor, in denen eine Haushaltshilfe von der gesetzlichen Krankenversicherung gestellt oder die Kosten hierfür übernommen werden.

Davon ist auch ein Ehepaar ausgegangen, das drei Kinder hat, die im streitigen Zeitraum zwischen 7 und 12 Jahre alt waren. Die Mutter musste sich wegen einer chronischen Erkrankung einer größeren Operation an einem Oberschenkel und einem Kniegelenk unterziehen. Einige Monate später musste sie erneut für acht Tage, wegen desselben Leidens, stationär im Krankenhaus behandelt werden. Im direkten Anschluss an diesen Krankenhausaufenthalt hat die Krankenkasse der Familie für sechs Wochen eine Haushaltshilfe bewilligt.

Der behandelnde Arzt hat aber auch nach Ablauf der bewilligten sechs Wochen, wegen der chronischen Erkrankung der Frau, eine weitere Bewilligung einer Haushaltshilfe für ca. sechs Wochen als erforderlich erachtet. Die Frau war noch nicht in der Lage den Haushalt mit drei Kindern selbst wieder zu führen und hat deshalb, ohne die vorherige Bewilligung durch die Krankenkasse, für den vom Arzt empfohlenen Zeitraum nochmals eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen. Die Kosten, die für die weitergehende Inanspruchnahme der Hilfe entstanden waren, wollte die Frau von ihrer Krankenkasse ersetzt bekommen, was abgelehnt wurde.

Das Landessozialgericht Darmstadt hat sich in seinem Urteil vom 15.10.2007 der Ansicht der Krankenkasse angeschlossen und einen Erstattungsanspruch ebenfalls für nicht gegeben angesehen. Zwar sieht das Gesetz in den §§ 38 und 12 des Sozialgesetzbuchs V, das die Regelungen zur gesetzlichen Krankenkasse enthält, einen Anspruch auf Haushaltshilfen vor.

Es müssen hierfür aber bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Die Vorschrift des § 38 SGB V sieht eine Bewilligung nur in den Fällen vor, in denen die erkrankte und an der Haushaltsführung verhinderte Person sich einer im Gesetz ausdrücklich genannten, meist stationären, Behandlung unterzieht. Die Regelung des § 12 SGB V, die einen Ersatz von Mehrleistungen zur Haushaltsführung vorsieht, setzt wiederum eine akute, plötzlich und ganz unvermittelt auftretenden Erkrankung voraus, die im betreffenden Fall nicht gegeben war. Auch der behandelnde Arzt hat den weiteren Bedarf an einer Hilfe mit der chronische Erkrankung der Frau begründet, die zudem nicht plötzlich aufgetreten war.

Trotz der zur Zeit aktuellen Versuche der Politik, Familien mit kleinen Kindern bei deren Betreuung abzusichern, zeigt dieses Beispiel, dass auch hier über den Tellerrand hinausgeblickt werden muss, denn gerade chronische Erkrankungen können sich für Familien, neben der psychischen Belastung, zu einer finanziellen Zerreißprobe auswachsen.
 
Von Veronika Raithel