Korruption in Unternehmen - Compliance als neues Karrierefeld

Ein neues Karrierefeld rückt in den Blickpunkt: Compliance. Wo Korruption in Unternehmen der Globalisierung einen faden Beigeschmack gibt, wird in vielen Unternehmen bereits mit internen Ermittlern gegengelenkt.

Theo Waigel, ehemaliger Bundesfinanzminister und Ex-CSU-Chef, kam jüngst zu neuen Ehren. Der promovierte Rechtsanwalt wurde vom Aufsichtsrat der Siemens AG zum neuen "Compliance Monitor" berufen. Als Oberaufseher der laufenden Korruptionsermittlungen beim Münchener Elektronikriesen muss Waigel regelmäßig dem amerikanischen Justizministerium (Department of Justice) sowie der US-Börsenaufsicht (SEC) Bericht erstatten.

Compliance als Sprungbrett
Korruption ist nicht nur ein wucherndes Feld der Wirtschaftskriminalität. Wenn sich Unternehmen - aus eigenen Stücken oder auf Geheiß der Ermittlungsbehörden - mit unlauteren Wettbewerbsmethoden befassen, ziehen sie Jahr für Jahr immer mehr interne und externe Ressourcen zusammen. Auf Jahre gesehen ist Compliance als neue Aufgabe für international operierende Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Wie es scheint, ist dieses Tätigkeitsfeld auch Sprungbrett für die Karriere.

Allein bei Siemens stieg die Zahl der unmittelbar mit Compliance-Aufgaben betrauten Mitarbeiter von 107 in 2007 auf 621 in 2008 an. Sie arbeiten eng mit Staatsanwälten und Behörden zusammen, um Vorwürfen der Bestechung von aktiven oder einstigen Amtsträgern einschließlich Untreue, Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung nachzugehen. Die Ermittlungsverfahren richten sich gegen zahlreiche Siemens-Einheiten sowie Töchter des Konzerns im In- und Ausland. Im Geschäftsjahr 2008 hat es 539 Hinweise auf Compliance-Vergehen gegeben, davon führten 338 zu einem Anfangsverdacht. Insgesamt wurden 903 Compliance-Vergehen geahndet.

Gute Chancen
Prädestiniert Karriere zu machen, sind in erster Linie Fachleute aus Recht und Verwaltung, die sich insbesondere im internationalen Wirtschaftsrecht auskennen. Gute Chancen, auf der Leiter nach oben zu klettern, haben auch Mitarbeiter aus den betriebswirtschaftlichen Bereichen wie Rechnungswesen, Controlling sowie Einkauf und Vertrieb. Schließlich müssen je nach Ermittlungsstand Bilanzen korrigiert und laufend Rückstellungen für künftige Strafzahlungen gebildet werden. Operativ sind Unternehmen unmittelbar betroffen, weil ihre Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Lieferanten durch Korruption nachhaltig erschüttert werden.

Gleichzeitig erhöhen sich die Vorgaben für die Rechnungslegung. Neben dem 2002 aufgelegten Sarbanes-Oxley-Act (Sox), einer US-Richtlinie zur Verbesserung der Unternehmensberichterstattung in der Bilanzierung, muss eine Vielzahl von Vorschriften berücksichtigt werden. Dazu zählt auch der weltweite Standard Basel II, der die angemessene Kapitalausstattung von internationalen Banken reguliert und Unternehmen unter anderem auferlegt, ein lückenloses Risiko- und Compliance-Management nachzuweisen, um ihre Kreditwürdigkeit unter Beweis zu stellen.

Laut einer neueren Umfrage unter internationalen Unternehmen haben sich Zeitaufwand und Kosten für die Einhaltung von zunehmenden Compliance-Vorschriften bei jedem zweiten Konzern deutlich erhöht. Compliance-Officer und ihre Mitarbeiter haben also alle Hände voll zu tun.
 
Von Max Leonberg