Kompetenz entwickeln - Erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt

Experten warnen davor, sich nach der Ausbildung auf den Lorbeeren auszuruhen und sich als Angestellter in Sicherheit zu wähnen. Die klassischen Berufswege nach dem Motto "40 Jahre Siemens" funktionieren nicht mehr. Wer seine Beschäftigungschancen erhalten will, muss seine Kompetenzen stets neu auf den Prüfstand stellen.

Diese Anforderung richtet sich nicht nur an den einzelnen Mitarbeiter, sie ist auch Aufgabe der Unternehmen. Einen beispielhaften Weg hat IBM eingeschlagen. Mit ihrem Konzept, für das die Firma auf der Messe "Zukunft Personal" ausgezeichnet wurde, stärkt IBM gezielt die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter. Auf der Grundlage prognostizierter geschäftlicher Entwicklungen definieren Führungskräfte zunächst spezielle Kompetenzen, die sie künftig von ihren Mitarbeitern erwarten. Im zweiten Schritt werden diese Qualifikationen in individuellen Personalentwicklungsprogrammen umgesetzt.

Fähigkeiten erkennen und fördern
Mitarbeitern wird laut IBM-Personalchef Christoph Grandpierre viel Eigenverantwortung abverlangt. Jeder einzelne sei gefordert, die eigene Beschäftigungsfähigkeit zu steigern. Umgekehrt setze IBM alles daran, "die Expertise ihrer Mitarbeiter in unterschiedlichsten Bereichen und über Ländergrenzen hinweg auf- und auszubauen". Einen vergleichbaren Ansatz favorisiert man auch bei Vodafone in Düsseldorf. Denn ebenso wie die IT ist auch die Telekommunikation von beschleunigtem Wandel gekennzeichnet. Niemand weiß, wie die Branche in zwei oder drei Jahren aussieht und welche Innovationen ihr den Stempel aufdrücken.

Vor allem den Auszubildenden gilt bei Vodafone die volle Konzentration. Sie lernen, worauf es künftig ankommt. Neben dem fachlichen Know-how eignen sie sich wichtige Schlüsselqualifikationen an: wie man im Team arbeitet, eigene Initiative ergreift und Verantwortung übernimmt. Die Azubis erfahren, dass sie sich ihre Ziele selbst setzen und an sich arbeiten müssen. "Damit qualifizieren wir die Azubis nachhaltig für die Arbeitswelt bei Vodafone, aber auch für die Arbeitswelt außerhalb des Unternehmens", erwartet Ausbildungsleiter Manfred Humbert.

Wirtschaft unter Zugzwang
Angehende Systemelektroniker lernen, worauf es in der Übertragungstechnik ankommt. Kaufleute vertiefen sich in die Mobilfunktechnik, um Kunden besser beraten zu können. Benötigt werden immer wieder neue Qualifikationen, die man früher noch gar nicht kannte. Aktiv den Wandel mitzugestalten, statt sich passiv den ständigen Veränderungen auszuliefern - auf dieses Mitarbeiterprofil kommt es an. Die Globalisierung, die festgefahrene Strukturen gnadenlos aufbricht, lässt den Firmen einfach keine Wahl.

Doch nicht nur der zunehmende Wettbewerb setzt die Wirtschaft unter Zugzwang. Auch der anhaltende Fachkräftemangel sowie die schleichende Alterung der Gesellschaft zwingt sie, einen neuen Kurs einzuschlagen. Firmen müssen nicht nur mit deutlich höherem Aufwand um Mitarbeiter werben. Sie müssen sie auch möglichst lang ans Unternehmen binden. Und das erreichen sie am besten, wenn sie ihren Beschäftigten ermöglichen, ihre Kompetenzen beständig zu erweitern.

Experten zufolge sind Unternehmen gut beraten, es nicht bei der Qualifikationsoffensive bewenden zu lassen. Sind die Firmen auf den Personalmärkten unbekannt, reicht selbst die beste Personalentwicklung nicht aus, um dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen. Nur wer auch seine Attraktivität als Arbeitgeber glaubwürdig vermitteln kann, wird sich am Ende durchsetzen.
 
Von Winfried Gertz