Kompetente Mitarbeiter fallen nicht vom Himmel

Viele Firmen sind schon damit überfordert, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Noch schwieriger scheint es zu sein, die Potenziale des angestammten Personals zu heben. Wer kluge Menschenführung mit dem Einsatz geeigneter Tools verknüpft, so das Ergebnis einer Studie, gibt den Takt vor im Kompetenzmanagement und treibt auch das Geschäft voran.

Die Marktforscher der Aberdeen Group fragten rund 370 Führungskräfte aus europäischen Unternehmen, wie sie ihre Talente fördern und deren Kompetenzentwicklung mit Unternehmenszielen abstimmen. Ergebnis: Nur eine Minderheit packt die Aufgabe entschlossen an, dafür mit beachtlichem Erfolg. Jede fünfte Firma steigert die Leistung ihrer Mitarbeiter innerhalb eines Jahres um etwa 90 %, erhöht den Pro-Kopf-Umsatz um gut 60 % und reduziert die Mitarbeiterfluktuation um 75 %.

Was verstehen Firmen überhaupt unter dem Begriff Kompetenz? Jeder zweite befragte Manager erkennt darin ein Verhalten, das zu hervorragender Leistung beiträgt. Etwa ein Drittel verbindet damit erkennbare Fähigkeiten spezifischer Skills. Und welche Ziele stehen hinter dem Kompetenz-Management? Knapp 60 % Prozent der Unternehmen wollen das Mitarbeiterpotenzial eng mit den Geschäftszielen abstimmen. Jeder dritte Manager möchte die Produktivität seiner Mitarbeiter steigern und High Potentials identifizieren. Und die Fluktuation will jeder vierte Manager in den Griff kriegen.

Worin liegt das Erfolgsrezept der "Best in Class", und woran hapert es bei den weniger erfolgreichen Talentförderern? Wieso erreicht die überwiegende Mehrheit wesentlich niedrigere Performance-Werte, warum kommen die von Aberdeen "Trödler" genannten Firmen in allen drei Punkten überhaupt nicht voran? Als die Marktforscher die Strategien der besonders erfolgreichen Firmen unter die Lupe nahmen, fiel ihnen auf, dass Lernen und Personalentwicklung oft auf die Unternehmensziele abgestimmt sind. Zudem engagieren sich erfolgreiche Kompetenzentwickler auch dafür, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und hervorragende Karriere-Chancen anzubieten.

Doch damit nicht genug: Aus der Masse heben sich die Firmen auch dadurch ab, dass sie ihre besten Kräfte genauer beobachten und ihre Kernkompetenzen fördern. Zudem setzen erfolgreiche Unternehmen deutlich mehr Technik ein. Tools zur Planung und Messung von Leistungsindikatoren und zur Förderung der Teamarbeit setzt jedes zweite der erfolgreichen Firmen ein, ein Wert, der von weniger erfolgreichen deutlich unterschritten wird. Diese Diskrepanz tritt auch bei Assessment Tools und Lernwerkzeugen unmissverständlich zu Tage.

Zusammengefasst ist es ein Mix aus Statistik, Tools und Soft Skills, deren gezielter Einsatz erfolgreiche Talentförderer auszeichnet und vom großen Rest klar differenziert. Unternehmen, die ihr Kompetenzmanagement unbedingt verbessern wollen, empfehlen die Analysten, zunächst ihre Kernkompetenzen zu definieren, auf allen Hierarchieebenen Kompetenzmodelle einzuführen und leistungsbezogene Vergütungssysteme zu implementieren. Als besonders erfolgreiche Maßnahme rät Aberdeen dazu, identifizierte Leistungsträger zu befähigen, gezielt ihre Kollegen zu coachen.
 
Von Josef Bierbrodt