Komik in Bewerbungstexten

Wer kennt sie nicht, die Standardphrasen, mit denen Unternehmen ihren Bewerbern absagen. "Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Leider konnten wir Ihre Bewerbung nicht berücksichtigen. Wir senden Ihnen daher die Unterlagen zu unserer Entlastung zurück." Mit solch seelenlosen Standardsprüchen begegnen Arbeitgeber ihren Bewerbern. Ein pfiffiger Autor drehte den Spieß um.

"Push your Limits!" betitelt ein alteingesessener fränkischer Sportausrüster sein Inserat in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Firma sucht einen "IT Senior Enterprise Architect", und weil es so harmonisch klingt, ist gleich die ganze Anzeige in englischer Sprache getextet. Anlass genug für Jürgen Sprenzinger, darauf zu reagieren. Und sein Schreiben hat es in sich: "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass unerwartet viele Stellenanzeigen bei mir eingegangen sind und ich Ihr Inserat nicht berücksichtigen konnte. Bitte verstehen Sie meine Entscheidung nicht als Abwertung Ihres Unternehmens. Für die weitere Mitarbeitersuche wünsche ich Ihnen viel Erfolg."

Zu Dutzenden verschickte Sprenzinger derlei Absagen, alles sauber dokumentiert in seinem höchst lesenswerten und kurzweiligen Buch: Arbeit? Nein danke! Weder mag er "Teil Ihrer Erfolgsgeschichte werden" noch "wegen Ihnen eigens umziehen". Einem bayrischen Möbelhaus beschied er, ihm täte es leid, sich nicht bewerben zu können, weil er sich bei der Konkurrenz beworben habe, "die mir enorme Chancen bietet". Wie Sprenzinger auf die Anzeige eines Hamburger Markenartiklers reagierte, der das Inserat mit einer leicht bekleideten Dame aufpeppte, wird den Personalern gewiss lange in Erinnerung bleiben: "Von einer Bewerbung sehe ich aus privaten Gründen ab, wollte aber anfragen, ob die Dame noch frei ist. Ich habe mich hemmungslos in sie verliebt."

Sprenzinger orientiert sich im Tonfall an der formelhaft glatten Werbesprache der Inserenten und würzt sie durch seine persönliche Perspektive mit einer Prise Komik. Auf die rhetorische Frage "Fit for Future?" eines Sportklubs bat er um Verständnis, noch nicht unbefangen nach vorn schauen zu können. Mit vielen Dingen habe er einfach noch nicht abschließen können: "Haarausfall, Steuerbescheid sowie mit meiner Freundin, die mich wegen eines anderen Mannes verlassen hat". Freilich bewirbt sich Sprenzlinger auch, zum Beispiel bei einer Molkerei, die einen Controller sucht: "Controlling ist für mich das Wichtigste überhaupt im Leben. Bei mir zuhause kontrolliere ich fast alles: Meine Frau, meine Kinder und auch den Hund."

Bewerbern, die bislang erfolglos auf Jobsuche blieben, gibt Sprenzinger viele Anregungen, sich unkonventionell ins Gespräch zu bringen. Es muss ja nicht gleich ins Absurde kippen: Einer Beratungsfirma, die belanglos warb: "Wir entwickeln. Wir bewegen. Wir wachsen. Und was machen Sie?" antwortete Sprenzinger: "Naja, ich geh viel mit dem Hund spazieren, ich fotografiere, spiele Schach." Statt als Bewerber mit seinen Fähigkeiten um jeden Preis zu glänzen, Kenntnisse hinzuzumogeln und sich jung, dynamisch und flexibel anzubiedern, kommt Unkonventionelles, Persönliches womöglich weit besser an. Dafür sprechen zahlreiche Schreiben begeisterter Personaler, denen der Humor geblieben ist: "Ich habe herzhaft gelacht", heißt es in einem Antwortschreiben der Stadt Donauwörth. "Mein Wunsch ist: Lachen wir miteinander!"
 
Von Winfried Gertz