Keine Angst vor Absagen

Der Berufseinstieg ist häufig ein steiniger Weg und eine besondere Rolle nimmt hier die Bewerbung ein. Diese ist und bleibt für viele Menschen ein schwieriges Unterfangen. Besonders kompliziert wird es, wenn die berufliche Veränderung emotional aufgeladen ist, getreu dem Motto: bloß weg hier. Besonnen kommt man dem Ziel einfach näher. Wer kühlen Kopf bewahrt, steckt auch Absagen besser weg.

Ganz schön selbstbewusst, diese Liz Besems. Die Betriebswirtin aus dem holländischen Nijmegen hatte sich für einen lukrativen Job bei der France Telecom in Paris beworben. Unverzüglich wurde sie zum Assessment-Center eingeladen und schaffte es sogar bis zum Vorstellungsgespräch. Nun hat sie die offizielle Zusage in der Post, die Wahl ist tatsächlich auf sie gefallen. Doch Liz Besems ist supercool: Höflich schreibt sie dem Unternehmen eine Absage, nennt auch persönliche Gründe. Das kommt an!

Eine unglaubliche Geschichte? Nicht unbedingt, denn es gibt sie wirklich, diese Glücksritter. Sie picken sich das Beste von allem heraus. Für die anderen hagelt es jedoch Absagen: bereits nach der schriftlichen Bewerbung, vielleicht aber erst nach einem Assessment-Center oder dem Vorstellungsgespräch. Wichtig ist herauszufinden, warum die Wahl so ungünstig ausfiel. Das bringt wertvolle Erkenntnisse über einen selbst, die am besten gleich in die neue Bewerbung einfließen. Bloß nicht mit sich hadern oder am Selbstbewusstsein kratzen. Nach vorn schauen ist die beste Devise.

Wer eine Absage erhält, muss nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Warum Unternehmen sich für andere Bewerber entscheiden, hat viele Ursachen. Meistens geht es um minimale Unterschiede: Vielleicht fehlen nur ein paar praktische Erfahrungen oder spezielle Kenntnisse. Vor allem wenn es viele Bewerber gibt, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Schon beim ersten Kontakt. Denn die Absage auf die schriftliche Bewerbung kann auch auf den Eindruck zurückzuführen sein, den der Personaler von den Bewerbungsunterlagen gewinnt. Zum Beispiel wenn die optische Gestaltung nicht einem Mindeststandard entspricht oder durch marktschreierische Aufmachung beziehungsweise langweilige und ideenlose Kontur auffällt.

Erreicht einen die Absage nach einem Assessment-Center, gilt es nachzuhaken. Mit den üblichen Absagefloskeln sollte man sich jedenfalls nicht zufrieden geben. Jeder Personalexperte kann nachvollziehen, dass der zurückgewiesene Bewerber möglichst genau erfahren möchte, warum er nicht überzeugen konnte. Telefonisch nachzufassen und höflich aber bestimmt nach den Gründen zu fragen, lohnt sich. Willkommen ist jeder, der zu erkennen gibt, aus diesen Erfahrungen zu lernen und sie für seine weitere Bewerbungsstrategie zu nutzen. Hält sich das Unternehmen jedoch auch beim Nachfassen bedeckt, sollte man es sich getrost selbst überlassen. Denn das Verhalten spricht nicht gerade für eine offene Unternehmenskultur.

Am schlimmsten sind Absagen, wenn der Bewerber bereits mit einem Fuß in der Tür ist - nach dem Vorstellungsgespräch. Der erste Eindruck, den der Bewerber durch seine schriftliche Bewerbung und im Assessment-Center hinterlassen hat, kann leider nicht bestätigt werden. Stimmt etwa die Chemie zwischen den einzelnen Personen nicht oder war der Bewerber im Gespräch zu arrogant oder zu reserviert, nur weil er seine Nervosität nicht zügeln konnte? Fragen, denen man gezielt nachgehen sollte.

Insbesondere in größeren Unternehmen gibt es Personalexperten, die sich gerne zu einem solchen Feedback-Gespräch bereit erklären. Doch Vorsicht: Nur nicht versuchen, im Nachhinein die Entscheidung herumzudrehen oder zu erklären, warum man beim Test oder im Vorstellungsgespräch seine Stärken nicht so richtig ausspielen konnte - so etwas wirkt nur peinlich. Wer hingegen darauf verweist, aus seinen Fehlern lernen zu wollen, ist eigentlich immer auf der richtigen Seite.

Absagen können also wahre Wunder wirken. Nicht für denjenigen, der sie ignoriert und einfach so tut, als habe es nie eine Absage gegeben. Wer hingegen aus Absagen lernt und solche Erkenntnisse für die Zukunft nutzt, kommt schneller an sein Ziel. Und vielleicht ist er sogar eines Tages in der glücklichen Situation, sich die Jobs aussuchen zu können.

Von Winfried Gertz