Kein Tiefschlaf für die Personalentwicklung

Vom Personalmanagement wird in der Krise ein Beitrag zur Kostenreduzierung erwartet. Personaler, die sich bemühen, alle Arbeitskräfte an Bord zu halten, sind versucht, den Etat für Personalentwicklung zu kappen. Macht das Sinn? Und wenn ja, welche Kosten können eingespart werden?

Starke, wettbewerbsfähige Unternehmen brauchen gut motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter - auch und gerade in wirtschaftlichen Krisensituationen. Im Aufschwung werden genau diese Fachkräfte wieder gebraucht. Doch die Szenarien wiederholen sich: Der richtige Zeitpunkt für Qualifizierungen findet sich nie.

Läuft die Konjunktur rund und ist das Auftragsbuch voll, werden alle Fach- und Führungskräfte dringend am Arbeitsplatz gebraucht. Lahmt die Wirtschaft und die Geschäfte dümpeln vor sich hin, ist zwar die Zeit vorhanden, aber es fehlt das Geld. Vergessen sind die Argumente, dass qualifiziertes Personal die Wettbewerbsfähigkeit steigert und verbesserte Schlüsselqualifikationen Unternehmen profitabler machen. Mehr als jedes dritte Unternehmen will weniger oder keine Weiterbildungsmaßnahmen durchführen, zeigt eine Umfrage des VDI unter 1.900 Betrieben. Das sei bedenklich, mahnt Timo Taubitz, Geschäftsführer des VDI Wissensforums. "Qualifizierte Fachkräfte sind das Fundament, auf dem die deutsche Wirtschaft steht. Wer hier spart, zieht sich den Boden unter den Füßen weg." Wichtig sei, dass die Unternehmen auch in Krisenzeiten innovativ bleiben. Nur so können die Folgen der konjunkturellen Abschwächung gering gehalten werden.

Zuschuss vom Staat für Weiterbildung
Dass rund ein Drittel der Betriebe aufgrund der konjunkturellen Abschwächung weniger Weiterbildungen durchführen, erscheint noch nicht alarmierend. Doch je mehr Krisenmeldungen kursieren, um so mehr neigen Betriebe dazu, an dieser Stelle das Budget zu kürzen. Außerdem ist nicht zu leugnen, dass in kleineren Unternehmen die Ausgaben schwerer ins Gewicht fallen, und je nach Branche haben Verantwortliche größere Sorgen als die Personalentwicklung. Es lässt sich also leicht fordern, dass gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels Unternehmen an Qualifizierung nicht sparen sollten. Die Gefahr ist auch von der Politik erkannt. Um die derzeitige Lage abzufedern und Unternehmen mehr Instrumente zur Beschäftigungssicherung in die Hand zu geben, werden deshalb mit dem Konjunkturpaket II zusätzlich rund 2,5 Mrd. für die Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten bereitgestellt.

Arbeitsausfall zur Weiterbildung nutzen
Mit dem Konjunkturpaket II werden bei Kurzarbeit nicht nur die Sozialversicherungsabgaben, die bisher vom Betrieb allein zu tragen waren, halbiert. Komplett erstattet werden sie, wenn die Kurzarbeit zur Qualifizierung der Mitarbeiter genutzt wird. Darüber hinaus tragen die Arbeitsagenturen bis zu 80 Prozent der Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen von Kurzarbeitern. Zur Qualifizierung von Geringqualifizierten und älteren Arbeitnehmern wurde das Programm WeGebAu für Kurzarbeiter geöffnet und um 200 Mio. Euro pro Jahr aufgestockt. Das heißt, für den Zeitraum, in dem der Arbeitnehmer wegen der Weiterbildung keine Arbeitsleistung erbringt, erhält der Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt einschließlich der darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge. Davon können gering qualifizierte Arbeitnehmer profitieren, oder auch hochqualifizierte Mitarbeiter, Ingenieure oder Betriebswirtschaftler, die älter als 45 Jahre sind. Das gilt allerdings nur, wenn sie in einem Unternehmen beschäftigt sind, das weniger als 250 Mitarbeiter in der Niederlassung beschäftigt.

Appell von Personalvorständen
Um die wichtige Aufgabe des Personalmanagements in der Krise zu demonstrieren, haben 26 Personalvorstände großer Unternehmen ein Memorandum der DGFP (Deutsche Gesellschaft für Personalführung) unterschrieben. Unter dem Titel "Krise meistern - Beschäftigung sichern" verpflichten sie sich selbst, unter anderem der Weiterbildung derzeit einen großen Stellenwert einzuräumen. Doch kann das auch mittelständische Unternehmen überzeugen? "Wissen, Können und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter dürfen nicht durch voreilige kostengetriebene Maßnahmen auf das Spiel gesetzt werden und zukünftiges Wachstum sowie Innovationsfähigkeit gefährden. Das gilt für große wie für kleinere und mittlere Unternehmen", so Prof. Gerold Frick, Geschäftsführer DGFP e.V.

Es gelte daher, die erforderlichen Kompetenzen zu identifizieren sowie bedarfsgerecht und konsequent, gerade in auslastungsschwachen Zeiten, zu fördern. "Zweifelsohne erfordert das für die Unternehmen zunächst die Risikobereitschaft ein finanzielles Investment einzugehen. Aber neben dem Konjunkturpaket II können auf betrieblicher Ebene Vereinbarungen getroffen werden. Beispielsweise: In Krisenzeiten trägt das Unternehmen die Weiterbildungskosten und Mitarbeiter bringen Freizeit ein", empfiehlt Frick.
 
Von Christiane Siemann