Karrierestart in der Unternehmensberatung

Im Wettbewerb um Consulting-Kandidaten müssen Unternehmensberatungen alle Register ziehen. Jede vierte Firma befürchtet, dass sich das Nachwuchsproblem weiter verschärft. Das bedroht sogar die Wachstumsaussichten.

Konnte man sich vor zehn Jahren noch die Rosinen aus dem Bewerberangebot herauspicken, ist das Consulting heute nicht mehr unangefochtene Nummer eins für High Potentials. Das hat mehrere Gründe. Erst setzte die Branche in der New Economy zum Höhenflug an, dann stürzte sie nach dem Platzen der Blase böse ab. Arbeitsplatzabbau, Imagekrise: Consulting, nein danke. Davon profitierten internationale Konzerne, die mit neuen und attraktiven Karriereperspektiven mit den Beratungshäusern gleichziehen konnten.

Arbeitgeber bieten viele Zusatzleistungen
Dabei ist die Geschäftsbilanz der Unternehmensberatungen glänzend. Laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) legte der deutsche Markt für Managementberatung zuletzt per annum zweistellig zu. Nicht nur Topadressen wie McKinsey, Roland Berger und Boston Consulting fuhren ein dickes Plus ein. Auch anderen Beratungshäusern geht es so gut wie schon lange nicht mehr.

Nun lastet auf den Firmen ein hoher Rekrutierungsdruck. Viele hatten sich in der Krise aus dem Scheinwerferlicht zurückgezogen und ihr Personalmarketing drastisch beschnitten. Nun müssen sie in die Vollen gehen, um auf sich aufmerksam zu machen. Bain and Company etwa, Studien zufolge unter den Top Ten, gewährt großzügig Sabbaticals. Die bezahlte Auszeit für die Promotion, ein MBA-Studium oder ein Engagement in Nonprofit-Organisationen steht jedem Mitarbeiter zu, der mindestens zwei Jahre an Bord bleibt.

Aufrücken ins Management
Zudem wirbt Bain gezielt um eigentlich fachfremde Einsteiger wie Natur- und Geisteswissenschaftler. Sie nähmen andere Perspektiven ein und könnten deshalb neue Lösungsansätze fürs Beratungsgeschäft anregen, heißt es. Anders positioniert sich Siemens Management Consulting (SMC), die Inhouse-Beratung des Elektromultis. Einsteiger würden vom ersten Tag an vom großen Siemens-Netzwerk profitieren, relevantes Branchenwissen sammeln und attraktive zukünftige Einsatzgebiete kennenlernen. Im Schnitt bleiben die Berater drei bis vier Jahre an Bord. Viele wechseln später in Führungspositionen des Konzerns.

Firmen wie Bain oder SMC rühren heute überall die Werbetrommel: auf Absolventenmessen und in Hochschulen sowie mit eigenen Recruiting-Events, die allein wegen ihrer besonderen Location die Reise wert sind. Das heftige Werben um Nachwuchs wird vorerst nicht zum Erliegen kommen. Wie Umfragen belegen, wird Unternehmensberatern 2009 von allen Branchen das größte Einkommensplus beschert. Wer unterschreibt, kann sich auf viele Weiterbildungsangebote freuen. Frauen rollt man sogar den roten Teppich aus.
 
Von Winfried Gertz