Karriereberatung: Mit Karriere-Tuning zum Traumjob?

Wer unzufrieden mit seinem Job ist, geht zum Karriereberater oder zum Coach. Doch was ist eigentlich der Unterschied? Welche Art der Beratung führt zu einem erfolgreichen Jobwechsel?

Endlich mal etwas ganz anderes machen. Seinen Traum vom eigenen Weinladen verwirklichen? Oder als Location-Scout durch die Welt reisen und ideale Drehplätze für Filme suchen? Wer einen Karrierewechsel anstrebt, sollte sich gut beraten lassen. Denn so mancher vermeintliche Traumjob entpuppt sich schnell als Albtraum.

Karriereberater und Coaches arbeiten vielseitig
Doch geht man dabei lieber zum Coach oder zum Karriereberater? Oder ist das eigentlich dasselbe? Hier beginnt bereits das Problem: Beide Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann sich so nennen. Die Anbieter haben daher einen sehr heterogenen fachlichen Hintergrund und arbeiten mit den unterschiedlichsten Methoden.

Für Doris Brenner ist die Sache dennoch klar. "Ein Coach ist kein Karriereberater", sagt die Karriereberaterin in Rödermark bei Frankfurt. Denn während ein Coach seinem Klienten helfe, selbst eine Lösung zu finden, gebe ein Karriereberater ihm auch eine inhaltliche Hilfestellung, zum Beispiel bei der Optimierung der Bewerbungsunterlagen. "Ein Karriereberater braucht daher viel mehr inhaltliches Wissen, sei es über Karrierepfade und Karriereverläufe, über Funktionen und Branchen oder über Bewerbungstaktik", sagt Brenner.

Den Unterschied macht die Beratungsqualität
Während sich ein Coach meist auf einen bestimmten Aspekt - wie etwa die Probleme mit dem Chef - fokussiert, ist das A und O jeder guten Karriereberatung eine ausführliche Standortbestimmung. Weiß der Klient, was er sucht? Ist das Ziel überhaupt realistisch? Wo liegen seine Stärken? Wo gibt es bewerbungstechnische Schwächen?

Fängt ein Berater gleich mit dem Thema "Bewerbung" an, rät Madeleine Leitner zur Vorsicht. "Da fehlt doch die Diagnose, ob der angestrebte Job überhaupt der richtige ist", sagt die Münchner Karriereberaterin. Auch standardmäßige Bewerbungstipps, wie sie in den unzähligen Ratgebern propagiert werden, hält die Psychologin für fatal. Eine Bewerbung sei wie Maßschneidern. "Man muss die Stärken betonen und die Schwächen tarnen und dafür gibt es verschiedene Verpackungen und Möglichkeiten", so die Psychologin. Berater, die nur auf ihre Methode schwören, sollte man daher lieber links liegen lassen.

Beratung muss konkret und individuell passieren
Dabei warnt Leitner auch vor einem übereilten und radikalen Karrierewechsel - also einem Wechsel von Aufgabe, Funktion und Branche. Ihrer Erfahrung nach sind höchstens drei von hundert Ratsuchenden wirklich im total falschen Job gelandet. Meist sind es lediglich bestimmte Aspekte wie etwa die Kollegen und die hohe Arbeitsbelastung, die ihnen den Spaß am Job verleiden.

Leitner spricht daher lieber vom "Karriere-Tuning" und ermittelt mit ihren Klienten den konkreten Veränderungsbedarf, damit sie wieder mehr Freude an ihrer Arbeit haben. Es geht also darum, erst mal das eigentliche Problem zu finden, bevor man sich auf die Suche nach dem Traumjob macht.
 
Von Bärbel Schwertfeger