Kaderschmiede an der Spree

Wir formen die Führer für das 21. Jahrhundert ist die nicht unbescheidene Eigenbeschreibung der ESMT, der European School of Management and Technology mit ihrem Hauptsitz in Berlin. Ebenso unbescheiden sind die Studiengebühren: Der in einem Jahr erzielbare MBA an der Spree kostet 50.000 Euro. Der Studiengang zählt damit zu den teuersten in der Welt.

Dennoch ist der Master of Business Administration für die ESMT ein Zuschussgeschäft. Aber nur wegen ihm darf sich die ESMT auch Hochschule nennen. Geld verdient die Privathochschule hingegen mit ihren Kurzkursen. Sie sollen die Manager für ein paar Tage aus ihrem Trott reißen und ihnen ermöglichen, über die eigene Arbeit mit Gleichen nachzusinnen. Die Kurse kosten zwischen 3.300 Euro für ein dreitägiges und 24.000 Euro für ein einmonatiges Seminar. Renner ist das Dreitages-Seminar über Verhandlungsführung. Stark nachgefragt werden aber auch auf Unternehmen individuell zugeschnittene Kurse. ESMT-Sprecher Felix Poetschke berichtet von Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen und ihre Manager dann für die Aufgabe speziell schulen möchten. Dazu maßschneidert die ESMT zusammen mit den Unternehmen Spezialkurse. Die Seminarleitung übernehmen dabei nicht nur ESMT-Dozenten, sondern Experten aus der ganzen Welt.

Die anfängliche Skepsis und der Spott über die Einrichtung verfliegen allmählich. Ursache für den schlechten Start war unter anderem, dass die Elite-Hochschule später als geplant ihren MBA anbot, die Studentenzahl von 500 über 300 auf nun 30 herunter geschraubt wurde, die Professoren nicht in Scharen zur ESMT kamen und die Studiengebühren höher als in Harvard sind. Die Vorschuss-Häme legt sich aber auch deshalb, weil die Bewertungen der 4200 Seminarbesucher in den ersten beiden Jahren und die der MBA-Studenten gut bis sehr gut sind. Die jedem gegen Gebühr offen stehenden Kurzseminare (Open Enrollment Programs), werden nach Angaben von Poetschke im Durchschnitt mit sehr gut bewertet. Neun von zehn Teilnehmern würden das Seminar laut der in jedem Kurs durchgeführten Evaluation weiter empfehlen. Für das MBA lägen die Bewertungen zwischen sehr gut und gut. Viele der Bewertungen von MBA-Studenten und Kursteilnehmern klingen sehr euphorisch: Exzellent notieren viele auf den anonymen Fragebogen, sehr dynamisch und sehr professionell.
Die MBA-Qualitätssiegel durch Einrichtungen wie die American Assembly of Collegiate Schools of Business (AACSB) oder Equis stehen noch aus. Frühestens nach zwei MBA-Durchgängen kann die ESMT deren Anerkennung erhalten. Mit ihnen dürfte der Wert eines Spree-MBA deutlich steigen.

Auswahl über Online-Bewerbung
Doch selbst ohne fehlende Qualitätssiegel und trotz der hohen Studiengebühren nehmen am ersten MBA-Studiengang derzeit 29 Jungmanager aus 14 Nationen teil. Mitte Dezember erhalten alle ihr Abschlusszeugnis. Die aus rund 100 Online-Bewerbern ausgesuchten Studenten erhalten alle Stipendien, finanziert von Unternehmen. Diese sind nicht zwangsläufig Arbeitgeber der MBA-Studenten. Um am Schlossplatz lernen zu können, mussten die Bewerber nicht nur Zeugnisse, sondern auch zwei Referenzen einreichen sowie einen Studienabschluss und mindestens drei Jahre Berufspraxis vorweisen. Die letzte Hürde bestand in einem persönlichen Interview. Aber auch bei den Professoren ist die Sollstärke noch nicht erreicht: Ein Dutzend sind es derzeit, 50 sollen es in zehn Jahren sein.

Absolute Praxisnähe ist das Credo der Wirtschaftshochschule. Wissenschaftliche Abgehobenheit ist der ganzen Einrichtung fremd. Ein Beispiel dafür ist die mehrseitige ESMT-Analyse, warum Pop-Ikone Madonna so erfolgreich ist. Auch die Kurzseminare stehen für Realitätsnähe. So wirbt die ESMT für ein Kurzseminar über den effektiven Einsatz von IT mit der Behauptung, häufig werde Geld für Computer und Netze ziellos ausgegeben, da viele Manager zur Prozessoren-Sphäre keinen Kontakt hätten. Das sei jedoch ein grundlegender Fehler. Die Möglichkeiten und Grenzen der IT zu kennen, ist genauso wichtig wie die grundlegenden Prinzipien des Marketings, des Finanzwesens oder der Unternehmensführung, betont die ESMT. Auch die Mitarbeiterführung liegt der ESMT besonders am Herzen: Ein Kurzseminar soll die Manager verstehen lassen, warum sich Menschen in einer bestimmten Art und Weise verhalten. Und Sie erhalten die Möglichkeiten, das Verhalten vorzusagen, zu verstärken oder Handlungen zu verhindern.

All dies entspricht weder im Thema noch in der vollmundigen Sprache einer typischen deutschen Hochschule. Aber wir und unser Manager-Klientel sind eben anders, betont eine Mitarbeiterin. Gerade deshalb seien sie erfolgreich. Das spiegele sich in den Seminar-Evaluationen wider.

Mehr Infos unter www.schwertfeger-mba-channel
 
Von Thorsten Mensching