Investivlohn - Mitarbeiter in der Verantwortung

Erfolgsbeteiligung von Arbeitnehmern führt zu größerer Motivation und Leistung. Nach dem Vorbild ausländischer Unternehmen, soll die Mitarbeiterbeteiligung auch in Deutschland die Wirtschaft vorantreiben. Nach Jahren stagnierender Löhne sind sich Politiker einig. Laut ehemaligem Vizekanzler Franz Müntefering steht den deutschen Beschäftigten endlich "ein ordentlicher Schluck aus der Pulle" zu. Vielversprechend scheint, Mitarbeiter an ihren Firmen zu beteiligen. Dazu besteht Anlass genug: Beim Investlohn hinkt die deutsche Wirtschaft dem Ausland hinterdrein. In Tochterfirmen ausländischer Unternehmen ist die Mitarbeiterbeteiligung dreimal so oft anzutreffen.

Studien lassen keinen Zweifel: Wer seine Mitarbeiter am Erfolg beteiligt, wird dafür mit höherer Motivation und Leistung belohnt. Wer Verantwortung übernimmt, bindet sich auch länger an seinen Betrieb. Womöglich ist die Mitarbeiterbeteiligung der entscheidende Hebel, um sich als attraktiver Arbeitgeber aus der Masse hervorzuheben und Fachkräftemangel sowie demografischer Entwicklung ein Schnippchen zu schlagen. Denn bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland um etwa 12 Millionen abnehmen. Parallel steigt dank der guten Konjunktur und des Strukturwandels hin zu höherwertigen Produkten und Dienstleistungen die Nachfrage nach qualifizierten Fach- und Führungskräften weiter an.

Freilich ist Beteiligung nicht gleich Beteiligung. Wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermittelte, beteiligen etwa zehn Prozent der deutschen Betriebe ihre Mitarbeiter am Gewinn und gewähren ihnen neben dem Gehalt eine erfolgsabhängige Zulage. Dagegen favorisieren lediglich zwei Prozent eine Kapitalbeteiligung. Dabei stellen Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber Geld zur Verfügung und werden so zu Miteigentümern.

Auf die Kapitalbeteiligung hat nun die Politik ihr Auge geworfen. Während die SPD einen Deutschland-Fonds einrichten will, bei dem Beschäftigte Anteile erwerben können, wollen CDU/CSU es den Betrieben überlassen, welches Modell sie praktizieren. Will die SPD Gefahren wie Wertverlust oder das Insolvenzrisiko durch Bundesgarantien mindern, möchte der Koalitionspartner keinen Keil zwischen unternehmerischer Verantwortung und Risikobereitschaft treiben. Vieles sei durch entsprechende Versicherungen aufzufangen.

Gerungen wird zudem um die Förderungshöhe. Plant die SPD, die steuerfreie Höchstfördersumme für den Erwerb von Unternehmensanteilen von 135 auf 240 Euro jährlich anzuheben, wollen die Unionsparteien Mitarbeiterbeteiligungen bis zu 1000 Euro jährlich steuer- und sozialabgabenfrei stellen. Erwogen wird ferner, dass Mitarbeiter Teile ihres Bruttolohnes in eine Beteiligung umwandeln können, die nachgelagert versteuert wird. Die Absicht: Mitarbeiter halten ihre Anteile bis zur Rente, weil sie dann niedrigeren Steuersätzen unterliegen.

Viele mittelständische Unternehmen praktizieren die Mitarbeiterbeteiligung, oft anzutreffen sind stille Beteiligungen. Nach Angaben der in Kassel ansässigen Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) machen davon etwa 1400 Betriebe Gebrauch. Jenseits ihrer Effekte auf Motivation und Loyalität unter Beschäftigten zahlt sich Mitarbeiterbeteiligung auch betriebswirtschaftlich aus. Das Stichwort lautet Basel II. Betriebe, die Kapital von ihren Mitarbeitern einsammeln, verbessern ihre Eigenkapitalquote. Sie erzielen bessere Ratings und können deshalb Kredite zu attraktiven Zinsen verhandeln. Und wer Kreditwürdigkeit unter Beweis stellt, lautet die Botschaft an Mitarbeiter, bietet auch sichere Arbeitsplätze.
 
Von Winfried Gertz