Investieren und Sparen mit Augenmaß

Die Krise breitet sich aus - und Unternehmen zeigen sich betroffen. Sparmaßnahmen und die Angst vor Investitionen sind bei vielen Arbeitgebern im Trend. Es gilt derzeit nichts zu verharmlosen, aber wie viel Besorgnis ist angebracht? Dass die Unternehmen im Abschwung gut gerüstet sind, melden zwar auch die Medien, aber im aktuellen Krisen-Hype gehen gute Nachrichten unter. Eine Reihe guter Nachrichten für Personaler:

Experten gehen davon aus, dass der Arbeitsmarkt glimpflicher durch die Rezession kommt als in der Vergangenheit - auf Grund von Arbeitsmarktreformen und rückläufiger Lohnkosten. "Wir blicken trotz Finanzkrise und beunruhigenden Nachrichten relativ gelassen und nicht pessimistisch in das laufende Jahr", sagt Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau). Zum einen reiche der durchschnittliche Auftragsbestand noch für die nächsten sechs Monate aus und bis dahin sollten die weltweiten staatlichen Infrastrukturprogramme erste Wirkungen zeigen, so Hesse. Sein Optimismus beruht auf Fakten: Schließlich wuchs die Produktion im Maschinenbau in den letzten vier Jahren um satte 38 Prozent. Unternehmen hätten zwar derzeit eine Durststrecke mit deutlich rückläufigen Auftragszahlen zu überstehen, aber der Verband rechnet mit einer Stagnation auf hohem Niveau - auch wenn die Branche keine einheitliche Tendenz zeigt. Während es dem Anlagenbau oder den regenerativen Energien gut gehe, hätten andere Bereiche wie Hersteller von Druckmaschinen oder Autozulieferer mit Aufragseinbrüchen zu kämpfen. Dass der Mittelstand für den Abschwung gut gerüstet ist, stellt der BDI (Bundesverband der deutschen Industrie) nach einer Umfrage in seinen Mitgliedsunternehmen fest. Die Hälfte der Unternehmen bezeichnet ihre Lage als gut oder sehr gut. Nur jedes sechste Unternehmen plane, feste Stellen abzubauen, fast 40 Prozent suche noch Fachpersonal. Eine wirksame Anti-Krisen-Strategie: Die Mittelständler setzen auf Marketing, Innovation und Investition in Vertriebskanäle und Absatzmärkte.

Innovationen, Absatzmärkte und Marketing
Einen wachsamen, aber gelassenen Umgang mit der Krise findet man derzeit zum einen bei Unternehmen, die die letzten Krisen (1980-1982, 1991-1994, 2002-2003) bewältigt haben. Zum anderen bei Deutschlands innovativen Mittelständler. Sie lassen sich nicht von Prognosen anstecken. Viele Unternehmen beurteilen ihre Lage optimistisch: 83 Prozent der Firmen sagen, sie seien überhaupt nicht oder nur wenig von den Folgen der Finanzkrise betroffen, so ein Ergebnis einer aktuellen Umfrage von compamedia. Danach schauen innovative Mittelständler auch in turbulenten Zeiten nach vorne. Die Unternehmen zeigen sich als Macher und Anpacker und stecken voller Pläne: Sie verbreitern ihre Kundenbasis, verbessern die Qualität und schaffen so einen Vorsprung im Wettbewerb. Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass es rund 55 Prozent der Unternehmen aus dem Kreis der Top 100 im Vergleich zu anderen Unternehmen der jeweils selben Branche besser geht. 45,8 Prozent geben als Grund ihre besondere Innovationskraft an.

Vor dem Aufschwung steht der Abschwung
Sollte sich die Krise verschärfen, werden Unternehmen wieder auf Frühverrentungsmodelle und sozialverträglichen Personalabbau zurückgreifen, meint Dr. Heiko Weckmüller, Towers Perrin Experte für Personalstrategie. Er weist jedoch darauf hin, dass ein konjunktureller Aufschwung nach der aktuellen Krise zeitlich mit dem demographisch bedingten Rückgang des Fachkräfteangebots zusammenfallen wird und sich gerade jetzt eine Langfristorientierung auszahle. Nach einer internationalen Studie der Beratungsgesellschaft rechnen in Deutschland nur 22 Prozent der HR-Verantwortlichen mit deutlichen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen auf das Unternehmen. Über die Hälfte geht lediglich von moderaten Folgen aus.

550.000 Experten bis 2020 gesucht
Zum Schluss doch noch eine schlechte Nachricht: In den nächsten 12 Jahren könnten in Baden-Württemberg mehr als eine halbe Million Fachkräfte fehlen, warnt eine aktuelle Untersuchung des Lehrstuhls von Prof. Bert Rürup an der Universität Darmstadt im Auftrag der IHK Baden-Württemberg. Demnach würden bis zum Jahr 2020 etwa 180.000 akademische und 370.000 nicht-akademische Fachkräfte vor allem in technischen Berufen gebraucht, aber der Wirtschaft nicht zur Verfügung stehen. Hauptursachen seien das altersbedingte Ausscheiden von rund 360.000 Fachkräften aus dem Arbeitsprozess bis zum Jahr 2020. Obwohl die Wirtschaft konjunkturbedingt und verstärkt durch die Finanzmarktkrise gerade am Beginn eines Abschwungs stehe, dürfe das Dauerthema Fachkräftemangel nicht vertagt werden. Den Untersuchungsergebnissen zufolge tritt der größte Mangel bei den Ingenieurdienstleistern, Unternehmensberatern und Wirtschaftsprüfern auf. Außerdem steht ein permanenter Mangel vor allem in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik an. Und das sind auch sehr schlechte Nachrichten: Denn nach dem Abschwung folgt der Aufschwung, das war in der Vergangenheit so und wird sich nicht ändern.
 
Von Christiane Siemann