Intuition - Bauchgefühl auch mal zulassen

Kopf oder Bauch? Bei Entscheidungen im Arbeitsleben hat meist die Vernunft die Oberhand. Dabei wäre das Vertrauen in das Bauchgefühl - auch Intuition genannt - oft die bessere Wahl.

Eigentlich hat man sich schon für eine Sache entschieden - doch irgendwie verursacht die Entscheidung ein komisches Gefühl: Treffe ich damit wirklich die richtige Wahl? Wer solche Gedankenblitze kennt, wer vor Entscheidungen ein gutes oder auch weniger gutes Gefühl bemerkt oder Vorahnungen hat, wie zum Beispiel ein Projekt verlaufen wird, sollte seine Gedanken und Empfindungen nicht achtlos beiseiteschieben. "Niemand kann vorhersagen, ob eine Entscheidung tatsächlich hundertprozentig richtig ist - aber das Bauchgefühl kann helfen, die Trefferquote zu erhöhen", meint Dr. Jürgen Wunderlich, Managementtrainer und Autor des Buches "Intuition - Die unbewusste Intelligenz". Untersuchungen haben ergeben, so Wunderlich, dass die Entscheidungen, die nach dem Bauchgefühl getroffen wurden, zehn bis fünfzehn Prozent treffender waren als Beschlüsse, die auf rein rationalen Argumenten basierten. "Wenn mir die Variablen eines Problems bekannt sind, entscheide ich eher rational. Bei einem Problem mit vielen Unbekannten, lasse ich mich lieber vom Bauchgefühl leiten", so Jürgen Wunderlich.

Bauchgefühl und Verstand in den Einklang bringen
Der Königsweg ist es natürlich, auf Kopf und Bauch gleichermaßen zu hören: "Am besten nimmt man seine Intuition und überprüft mit gesundem Menschenverstand, ob das Gefühl Recht hat - zum Beispiel, indem man unterstützende Daten für das Bauchempfinden sucht", empfiehlt der Trainer. Frauen täten sich mit dem Bauchgefühl übrigens oft ein wenig leichter, so Wunderlich, da sie mit besseren emotionalen Antennen ausgestattet seien. "Aber im Grunde kann jeder ein besseres Bauchgefühl entwickeln." Dazu bedarf es natürlich eines gewissen Trainings: Wer künftig seinem Kopf etwas entgegensetzen will, sollte bei Entscheidungen abwegige Gedanken bewusst zulassen und auf sein erstes Gefühl achten. Wenn sich die Folgen der Entscheidung abzeichnen, kann man analysieren, ob der Bauch tatsächlich Recht hatte. "Dies hilft vor allem bei Entscheidungen, die man aufgrund ihrer Komplexität nicht vollständig überblicken kann", so Wunderlich. Das Bauchgefühl ist vor allem für diejenigen nützlich, die viel mit neuen Situationen und unbekannten Menschen zu tun haben: Personaler, Vertriebsexperten, Marketingmitarbeiter, aber auch das Top-Management. "Im Business-Leben muss man oft von Annahmen ausgehen. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, ohne dass vorher viel Zeit bleibt, jedes Detail zu überprüfen", erklärt der Buchautor. Wer hier auf sein Bauchgefühl vertrauen kann, ist klar im Vorteil.

Blindes Vertrauen darf es allerdings auch nicht sein. Bei der Intuition gibt es einige Fallen, in die man achtlos tappen kann. Da gibt es zum Beispiel den Lemming-Effekt: Man glaubt, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, weil alle anderen der gleichen Meinung sind - und läuft ihnen deswegen einfach hinterher. Eine andere Falle ist der emotionale Effekt. Wunderlich nennt ein Beispiel: "Wenn man eine Person kennenlernt, die jemandem ähnlich sieht, den man in der Vergangenheit nicht leiden konnte, hat man oft einen schlechten ersten Eindruck. Vielleicht ist dieser Mensch jedoch ganz anders als die alte Bekanntschaft?" Das Bauchgefühl kann sich also auch mal irren. Eine weitere Tücke ist die vermeintlich intuitive Entscheidung, die jedoch nur getroffen wurde, weil man Informationen von einer höher gestellten Person bekommen hat. "Aus Respekt fällt man dann vielleicht unbewusst die falsche Entscheidung", so der Trainer. Die Beispiele zeigen: Auch Intuition ist nicht unfehlbar. Den Kopf ganz auszuschalten, ist sicher nicht die Lösung. "Aber mit dem bewussten Hören auf das Bauchgefühl steigt die Chance, eine bessere Wahl zu treffen."
 
Von Sabine Olschner