Interne Bewerbung - Verschwiegenheit und Diskretion als oberste Prämisse

Für einen Jobwechsel muss man nicht immer den bisherigen Arbeitgeber verlassen. Auch intern werden häufig spannende Stellen ausgeschrieben. Was ist bei der Bewerbung innerhalb des Unternehmens zu beachten?

Das Angebot klingt verlockend: Die Nachbarabteilung hat die Position des stellvertretenden Teamleiters ausgeschrieben. Die erforderlichen Qualifikationen passen, dann kann ja nichts mehr schief gehen oder vielleicht doch? Viele Mitarbeiter, die sich intern auf eine andere Stelle bewerben, machen den Fehler, dass sie zu sorglos an die Bewerbung herangehen. "Eine interne Bewerbung sollte genauso gut vorbereitet werden wie die Vorstellung bei einem fremden Unternehmen", erklärt Steffen Westermann vom Berliner Büro für Berufsstrategie. Im Detail muss man sogar noch sensibler vorgehen: Denn wer im Unternehmen bekannt ist, kann sich auch eher blamieren.

Vorteile und Kontakte nutzen
Der Vorteil an einer internen Stellenausschreibung: Man weiß, wie der Hase im Unternehmen läuft und hat eventuell schon Kontakte zur ausschreibenden Abteilung. "Wenn Sie jemanden kennen, zögern sie nicht, ihn unter vier Augen zu fragen, wie denn die Chancen für Sie stehen könnten", rät Steffen Westermann. Dafür brauche man jedoch auch Fingerspitzengefühl: "Die Grenze zwischen neutraler Information und Tratsch ist schnell überschritten. Bohren Sie also nicht zu tief nach." Des Weiteren sollte man sich gut überlegen, wen im Unternehmen man in seine Pläne einweiht, sich woanders zu bewerben. Der Flurfunk ist meist schneller als erwartet - und ehe man es sich versieht, hat der Chef davon Wind bekommen.

Diskretion ist ohnehin das A und O bei internen Bewerbungen: "Machen Sie beim Vorstellungsgespräch nicht den Fehler, Interna aus Ihrer bisherigen Abteilung auszuplaudern", warnt der Berliner Bewerbungsexperte. Kritik am Vorgesetzten und Kollegenschelte sind tabu. Wer zu freimütig von den Beziehungen in der Abteilung erzählt, läuft Gefahr, nicht für loyal gehalten zu werden. Doch Loyalität ist eine Eigenschaft, auf die auch der neue Chef sicherlich großen Wert legt.

Auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet sein
Manche Mitarbeiter glauben, das Unternehmen wisse alles über sie und ihre Aufgaben. Wenn sie dann im Vorstellungsgespräch gebeten werden, erst einmal über sich und ihren derzeitigen Job zu berichten, sind sie überrascht - und nicht selten schlecht vorbereitet. "Das Vorstellungsgespräch sollten Sie genauso ernst nehmen, wie Sie es bei einem fremden Unternehmen tun würden", so Steffen Westermann. Denn der Personaler weiß mitnichten, welche Projekte und Erfolge jeder einzelne Mitarbeiter im Unternehmen vorzuweisen hat - je größer eine Firma, umso unwahrscheinlicher, dass jeder in der Personalabteilung persönlich bekannt ist. "Daher bereiten Sie sich auf die Frage vor, welche Ziele Sie bereits erreicht und was Sie der neuen Abteilung zu bieten haben."

Häufig werden offene Stellen im Unternehmen auch über Empfehlungen vergeben, ohne dass die Position überhaupt ausgeschrieben wurde. "Empfohlen zu werden, ist eine schöne Bestätigung für gute Arbeit - trotzdem sollte man sich seiner Sache nicht zu sicher sein", empfiehlt Steffen Westermann. Ob man tatsächlich so gut ist wie der vorauseilende Ruf, muss man Personaler und Vorgesetztem wiederum im Vorstellungsgespräch beweisen.

Wann man den Chef einweihen sollte
Und wann sollte der bisherige Chef von den Wechselabsichten seines Mitarbeiters erfahren? "Das kommt ganz auf den Typus an", meint der Berufsexperte. Wer bisher immer offen mit seinem Vorgesetzten reden konnte, kann unter Umständen schon früh davon berichten, dass er sich intern auf eine Stelle bewerben will. Ein guter Chef fördert seine Mitarbeiter und ist froh, wenn dessen Wissen dem Unternehmen erhalten bleibt. "Auf der sicheren Seite ist man allerdings, wenn man erst nach erfolgreicher Bewerbung erzählt, dass man wechseln wird", so Westermann. Ein dezenter Hinweis an den neuen Vorgesetzten, dass die Bewerbung vertraulich zu behandeln ist, kann hier nicht schaden. Und mit ein wenig Glück geht es bald in den neuen Job in der Nachbarabteilung.
 
Von Sabine Olschner