Interim-Manager - Boom in China

Sie kommen, um nach ihrer klar definierten Aufgabe wieder zu gehen. Interim Manager unterstützen Firmen bei der Neuorganisation, sie überbrücken personelle Vakanzen oder bringen ins Stocken geratene Verhandlungen mit dem Sozialpartner zu einem einvernehmlichen Ende. Nun werden Interim Manager zunehmend für das boomende Business in China gesucht.

Im Reich der Mitte geht es rund. 37 Prozent der deutschen Industrieunternehmen planen, in China zu investieren. Das fand eine aktuelle Studie der Deutschen Industrie und Handelskammer heraus. Doch bei den ersten Schritten auf dem nach wie vor unbekannten Terrain tun sich investitions- und abenteuerlustige deutsche Unternehmen schwer. Um sich erfolgreich am chinesischen Markt zu positionieren, ist ein erfahrener Manager gefragt.

Deutsche Firmen in China überfordert
Das Anforderungsprofil hat es in sich: Er oder sie soll nicht nur die Interessen des deutschen Unternehmens in China mit Nachdruck vertreten, sondern muss auch mit der asiatischen Sprache und Kultur vertraut sein. Mitarbeiter aus eigenen Reihen sind meist überfordert, diese Herausforderungen zu meistern. Eine schnelle und effektive Lösung bieten hingegen Interim Manager: Sie unterstützen deutsche Unternehmen bei den ersten Schritten oder der Expansion auf dem chinesischen Markt.

Große Erfahrung bei der personellen Besetzung von Projekten in Asien besitzt zum Beispiel Bridge IMP in Grünwald bei München. Das Unternehmen vermittelt Interim Manager im In- und Ausland. Reinhard Schützdeller betreut Interim Manager bei ihren Projekten in Asien. Er bestätigt, dass Unternehmen aufgrund der spezifischen Qualifikationen, die ihre Führungskräfte in Asien benötigen, nur auf einen sehr begrenzten Personenkreis zurückgreifen können.

Manager tappen im Dunkeln
Neben operativer Management-Erfahrung und den geforderten Sprachkenntnissen sind laut Bridge IMP vor allem praktische Erfahrungen mit chinesischen Behörden gefragt. Oft entscheide das nötige Feingefühl in der Kommunikation: "Interkulturelles Verständnis ist der Schlüssel zum Erfolg. Unerfahrene deutsche Manager sind sich häufig nicht bewusst, wie schnell sie mit scheinbar beiläufigen Bemerkungen oder Gesten einen Gesichtverlust bei asiatischen Geschäftspartnern herbeiführen", skizziert Schützdeller die größten Fehler. Der Schaden sei nur schwer wieder gut zu machen. Interim Manager hingegen fungierten als diplomatische Koordinatoren zwischen dem deutschen Stammsitz und den chinesischen Gesprächspartnern.

Die Kosten eines Managers auf Zeit amortisieren sich laut Bridge IMP schnell, wie dieses Beispiel zeigt: Nachdem mehrere Versuche eines Zulieferer-Unternehmens für Aufzüge gescheitert waren, einen Produktionsstandort in China zu etablieren, wurde ein Interim Manager angeheuert, der bereits fünf Jahre in China tätig war. Er trieb die systematische Standortsuche voran, führte Verhandlungen über den Kauf von Produktionsanlagen, besuchte potentielle Lieferanten, plante Trainingsprogramme für die chinesischen Mitarbeiter und konnte einen geeigneten chinesischen General Manager für die Leitung vor Ort gewinnen. Nach nur zehn Monaten konnte der deutsche Mittelständler in der eigenen chinesischen Fabrik mit der Produktion starten.

Von Max Leonberg