Interim-Management wird jünger, vielfältiger, weiblicher

Interim-Manager werden immer jünger, gleichwohl ziehen die alten Kämpen noch immer die Fäden im Markt. Wie der Arbeitskreis der Interim Management Provider (AIMP) in seiner aktuellen Branchenstudie ermittelte, zieht die Nachfrage nach zeitlich befristet engagierten Fach- und Führungskräften weiter an.

Interim-Manager sind erfahrene Führungskräfte, die es im Laufe ihres Berufslebens sehr weit gebracht haben. Viele haben den Chefposten erklommen oder es bis in die Vorstandsetage geschafft. Zumindest ist den gestandenen Männern nach dem Karriereabschied nicht daran gelegen, die Beine hochzulegen. Dieses traditionelle Selbst- und Fremdbild scheint allmählich ins Wanken zu geraten. Interim-Management wird immer jünger, weiblicher, und sein Aufgabenspektrum ist breiter gefächert denn je.

Interim-Manager durch Mangel an Führungskräften vor neuen Aufgaben
Wurden früher Interim-Manager gerufen, um Firmen zu sanieren, liegt der Anteil dieser Aufgabe laut AIMP nur noch bei 12 Prozent. Heute müssen sie vor allem Vakanzen überbrücken. Das operative Geschäft mit einem Interim-Manager zu sichern, ehe die Stelle neu besetzt werden kann, ist mit 35% die am meisten gebuchte Dienstleistung. 17% sind eher klassische Projektmanagement-Aufgaben, in etwa 8% ist ein Eigentümerwechsel Grund, einen Interim-Manager zu rufen.

Bezogen auf Unternehmensfunktionen zieht die Nachfrage nach Interim-Managern in Einkauf, Qualitätsmanagement und IT stark an. An erster Stelle rangiert unverändert das Controlling, gefolgt von allgemeinen Geschäftsführungsaufgaben. Angesichts des weiter schwelenden Fach- und Führungskräftemangels entdecken immer mehr Unternehmen das qualitativ hochwertige Angebot des Interim-Managements als Alternative. Nicht zuletzt deshalb nahm das Auftragsvolumen laut AIMP zuletzt um ein Viertel zu.

Attraktives Berufsbild auf sämtlichen Führungsebenen
Mit einem Tageshonorar von knapp 900 Euro zählt das Interim-Management gewiss zu den attraktiveren Berufsbildern. Wer nicht auf eigene Faust akquiriert, sondern von einem Provider vermittelt wird, kostet den Auftraggeber im Schnitt 200 Euro mehr. Die meisten Projekte finden in der Automobilindustrie statt, gefolgt von der Telekommunikation sowie den Chemie-, Pharma- und Biobranchen. Hier machte die Nachfrage den größten Sprung nach vorn.

Jedes fünfte Projekt dauert länger als ein Jahr, rund die Hälfte zumindest sechs Monate. Interim-Management wird immer mehr zu einem Tummelplatz für Fachkräfte. Der Anteil der Projektleiter, qualifizierten Spezialisten und Fachkräfte ohne Personalverantwortung stieg überproportional an. Erfreulich: Immer mehr Frauen entdecken Interim-Management als Karrierechance. Ihr Anteil verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr auf 16%. Ebenfalls erfreulich ist das sinkende Alter der Interim-Manager, das inzwischen bei 48 Jahren liegt. Kritikern zufolge kann das Old-Boys-Network noch den Veränderungen standhalten und seine alten Seilschaften verteidigen. Aber dies dürfte nur von kurzer Dauer sein, denn am meisten punktet Interim-Management inzwischen auf fachlicher sowie in unteren Führungsebenen. Und dort wird bekanntlich nicht in jeder freien Minute Golf gespielt.
 
Von Josef Bierbrodt