Interim Management - Schwer gebeutelt

Viele Jahre gab es für sie nur eine Richtung: aufwärts. Nach dem Absturz in 2009 lecken Interim Manager nun ihre Wunden. Können sie sich erneut aufbäumen?

Führungskräfte auf Zeit sind intrinsisch motiviert, geistig und körperlich überaus fit und wollen etwas bewegen. Das ermittelte der Schweizer Interim-Management-Provider Butterflymanager unlängst in einer Umfrage. Doch die wie nicht anders zu erwarten positive Nabelschau taugt nur bedingt als Prophylaxe gegen Fährnisse der Konjunktur. 2009 blieb für die oft als Retter in der Not gerufenen Manager ein sattes Minus von 22 Prozent.

Wie aus der aktuellen Markterhebung des deutschen Branchenverbands AIMP hervorgeht, liegt das geschätzte Marktvolumen von 1,2 Milliarden Euro deutlich unter dem Niveau von 2008. Laut AIMP trugen dazu leicht zurückgegangene Tagessätze sowie eine geringere Auslastung der Interim Manager bei. Etwa 122 Tage waren die externen Führungskräfte 2009 für ihre Kunden tätig. Gegenüber dem Vorjahr sank die Auslastungsquote um 14 Prozent.

Krisenstimmung sorgt für eingefrorene Budgets
AIMP-Chef Anselm Görres, Geschäftsführer des Münchner Providers ZMM, nennt weitere Gründe für den Einbruch. Um angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise über die Runden zu kommen, hätten Auftraggeber ihre Budgets eingefroren und Interim Manager wieder nach Hause geschickt. "Fast ein Drittel aller gescheiterten Vermittlungen gehen auf das Nichtzustandekommen von Projekten zurück. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr", bilanziert Görres.

Interessant sind die Ergebnisse im Branchenvergleich. Überaus negativ entwickelte sich die Nachfrage in exportorientierten Wirtschaftsfeldern wie der Automobilindustrie und dem Maschinen- und Anlagenbau. Entfiel 2008 noch jedes dritte Interim-Management-Projekt auf diese Branchen, ging der Anteil in 2009 auf 25 Prozent zurück. Weil sich in anderen Branchen der Einbruch in Grenzen hielt, geht der AIMP davon aus, dass die Ursache der negativen Entwicklung eher in der Wirtschaftskrise als im Interim Management selbst begründet ist.

Brücke in Festanstellung
Besonders erfolgreich entwickelte sich zum Beispiel die Nachfrage nach Interim Management im Handel, sie legte im Krisenjahr von zuvor vier auf neun Prozent zu. Für den Gesamtmarkt rechnet der AIMP mit einem erneuten Aufwärtstrend. Pro Jahr soll die Nachfrage um 13 Prozent zulegen. Ein weiteres Ergebnis des AIMP-Marktberichts überrascht: Immer weniger Interim-Management-Mandate münden in eine Festanstellung. Wurden 2006 noch rund 16 Prozent der Manager auf Zeit von ihren Auftraggebern übernommen, sank diese Quote in 2009 auf fünf Prozent. Auch dieses Ergebnis ist nicht ohne Brisanz: Inzwischen nehmen 27 Prozent statt vormals 17 Prozent der Provider an, dass viele Unternehmen Interim Management in der Annahme ablehnen, es sei zu teuer. Es fehlt also an Transparenz. Wofür gibt es eigentlich einen Verband?
 
Von Winfried Gertz