Interim-Management - Ärger mit schwarzen Schafen

Sie schrecken vor keiner Aufgabe zurück, ihnen eilt ein sagenhafter Ruf voraus: Wenn andere in Deckung gehen, laufen sie zu Höchstform auf. Doch so sehr Interim-Manager auch bewundert werden - in Wirklichkeit wissen viele Unternehmen mit ihnen nichts anzufangen. Sie trauen dem Braten einfach nicht.

Ralf-Uwe Schwenninger ist eine Ausnahme. Der ehemalige Siemens-Personalmanager wird regelmäßig gerufen, wenn Unternehmen ein drängendes Problem nicht selbst anpacken wollen. Zum Beispiel übernimmt Schwenninger kurzerhand den Aufbau einer Personalabteilung, bevor der innerhalb eines internationalen Konzerns versetzte HR-Direktor seine neue Stelle in Deutschland antreten kann. In anderen Fällen schult Schwenninger Führungskräfte oder lagert die Gehaltsabrechnung an einen externen Dienstleister aus. "Nur wenn meine Leistung über jeden Zweifel erhaben ist", sagt er, "überzeuge ich Auftraggeber, mich erneut als Interim-Manager zu berufen."

"Experten auf Zeiten" wie Schwenninger, die tadellose Projekterfahrungen vorweisen können, sind gut im Geschäft. Doch im Markt für Interim-Management geht es nicht immer so vorteilhaft für beide Seiten zu. Auf einem Forum in der Münchener Allianz-Arena sagte der Starnberger Unternehmensberater Achim Rhode, "immer mehr Glücksritter versprechen den Unternehmen das Blaue vom Himmel". Das habe bittere Konsequenzen: Würde ein Interim-Management-Projekt wegen mangelnder Qualifikation des externen Experten scheitern, sinke die Bereitschaft, erneut einen Interim-Manager zu beauftragen, bei den Unternehmen rapide ab.

Wie erkennen Unternehmen überhaupt, ob ein Interim-Manager fachlich wie methodisch beschlagen und als Führungskraft erfahren genug ist, die konkrete Aufgabe zu meistern? Aus Zeugnissen würden sie es gewiss nicht lesen, meint Rhode. Fachkenntnisse, Sicherheit im Auftreten oder die allenthalben eingeforderte Flexibilität sorgten kaum für den entscheidenden Unterschied. "Solche Allerwelts-Kompetenzen sind als Qualitätssiegel für Interim-Manager einfach untauglich." Damit dürften sich Auftraggeber nicht zufrieden geben.

Rhode und andere Marktakteure plädieren deshalb für eine Qualifikationsoffensive. Dieser Forderung schließt sich auch der Interim-Manager Michael Hahn an. Mit der Klischeevorstellung, ein Interim-Manager könne alle Aufgaben mit links erledigen, komme man in der Praxis keinen Deut weiter. "Ich selbst habe mich einem speziellen Testverfahren unterzogen", sagt der Jurist. Die Qualifikation von Interim-Managern müsse zum Vorteil aller Beteiligten einfach viel transparenter sein.

Diese Meinung teilen nicht alle Akteure. Wer lässt sich schon bereitwillig in die Karten schauen und eigene Ressourcen objektiv einschätzen? Welcher Interim-Manager setzt sich denn freiwillig auf die Schulbank, um persönliche Schwachstellen durch gezielte Weiterbildung auszubügeln? Dennoch ist Qualifikation das Gebot der Stunde: Um Interim-Managern eine klare Positionsbestimmung zu ermöglichen und um Unternehmen davor zu schützen, dass sie womöglich aufs falsche Pferd setzen. Warum also nicht von der benachbarten Disziplin Projekt-Management lernen? Dessen Zertifizierungssystem ist seit Jahren etabliert und trennt im Markt die Spreu vom Weizen. "Eine echte Vertrauensbasis", schwärmt Rhode.
 
Von Winfried Gertz