Instandhalter verzweifelt gesucht

Rauchende Schlote, ohne Unterlass dampfende Maschinen, Fließbänder, die nicht stillstehen: Mit solchen Symbolen haben sich Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung ins kollektive Unterbewusstsein eingebrannt. Auch im digitalen Zeitalter darf der Waren- und Informationsfluss nicht zum Erliegen kommen. Eine Aufgabe für Instandhalter: Experten, um die Unternehmen buhlen wie nie.

Sie erhalten, überwachen, reparieren und verbessern. Ohne Instandhaltungs-Fachleute würden Systeme versagen und Millionen in den Sand gesetzt. Sie beherrschen zunehmend vernetzte, hochkomplexe und weitgehend automatisierte Prozesse und halten das Ausfallrisiko in Grenzen. Instandhaltung ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. "40 Millionen Arbeitsplätze in Europa hängen unmittelbar davon ab", kalkuliert Norbert Bargmann, Geschäftsführer der Messe München.

Anforderungen gestiegen
Doch die Branche kämpft verzweifelt um Nachwuchs, Ingenieure fehlen weit und breit. "An den Hochschulen", sagt Stefan Nowak, Leiter der Instandhaltung beim Automobilzulieferer TRW in Gelsenkirchen, "werden Ingenieure lediglich in der Errichtung, aber nicht in der Instandhaltung von Systemen ausgebildet." Zudem seien die Anforderungen an den Beruf des Instandhalters massiv gestiegen, was die traditionell aus Technikern rekrutierten Mitarbeiter zunehmend überfordere. "Es reicht nicht aus, Maschinen zu prüfen oder zu reparieren", sagt Nowak. "Dafür nehmen konzeptionelle und planerische Aufgaben zu."

Diesem Manko will sich die "Maintain", die einzige deutsche Messe für Instandhaltung, die Mitte Oktober in München stattfindet, erstmals mit einem speziellen Angebot widmen. Auf dem "Trendforum" will man der Frage nachgehen, wie potenzielle Nachwuchskräfte dringend benötigte Qualifikationen erwerben und welche Zutrittswege in das neue Berufsbild des Instandhalters einmünden können. Die seit 2004 zum vierten Mal veranstaltete Messe, die mit rund 5.000 Besuchern rechnet, kann bereits zwei Monate vor Eröffnung mit einem deutlichen Ausstellerzuwachs aufwarten.

Hochschulen spielen in Zukunft eine wichtige Rolle
Ob Messegäste oder Aussteller: Viele werden nicht zuletzt wegen des ungeklärten Nachwuchsproblems in die Isarmetropole reisen. Darauf hatte erst jüngst eine Umfrage des Management Circle aufmerksam gemacht. Demnach sind Instandhaltungsexperten überdurchschnittlich oft in Konzernen zu finden und als Abteilungsleiter tätig. Ihr Weiterbildungsbedarf ist groß, das Qualifizierungsangebot indes äußerst mager. Abgesehen von der Weiterbildungsmaßnahme zum "Certified Maintenance Manager", einem sechstägigen Seminar, das der Management Circle seit 2007 in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut anbietet, ist zumindest in Deutschland nichts in Sicht.

Einige Praktiker um Nowak planen deshalb, gemeinsam mit der Fachhochschule Dortmund das duale Studienkonzept "Industrielles Servicemanagement" auf die Beine zu stellen. Der Vorteil: Studenten werden parallel zum Seminar in die Praxis einbezogen, wo sie konkrete Probleme des Instandhaltungsmanagements kennen lernen. Zudem hat die Branche im Internet ein Forum gegründet (www.ipih.de), wo sich Experten austauschen. Das Engagement kommt spät, aber vielleicht noch rechtzeitig. "Instandhalter waren bisher lediglich die Feuerwehr, die im Notfall gerufen wurde", kritisiert Nowak. Doch die Zeit der "schnellen Eingreiftruppen" scheint abgelaufen zu sein. Statt sich auf den Reparaturaspekt zu beschränken, müssten Firmen künftig Vermeidungsstrategien erarbeiten und Dienstleistungskulturen entwickeln.
 
Von Winfried Gertz