Innovative Unternehmen - erfolgreich mit Strategie und Freiraum

Über Innovation wird viel geredet - und heiße Luft produziert. Unternehmen, die tatsächlich innovativ sind, stellen ihre Konkurrenz in den Schatten. Nicht zuletzt aus diesem Grund: Weil sie ihren Mitarbeitern viele Freiräume eröffnen.

Eine neue Studie bringt es an den Tag: Innovation ist Chefsache und besonders im Mittelstand zu finden. Wie der Ausrichter des Wettbewerbs "Tob Job", Compamedia, in einer Umfrage unter mittelständischen Betrieben ermittelte, wenden erfolgreiche Manager ein Drittel ihrer Arbeitszeit für das Thema Innovation auf, investieren rund 12 Prozent vom Umsatz in Innovationsprojekte und bilden ihre Mitarbeiter durchschnittlich 15 Tage im Jahr weiter. Vor allem besitzen sie eine klare Innovationsstrategie, die laufend kritisch unter die Lupe genommen wird.

Ein ideales Betriebsklima fördert den Ideenreichtum
Inzwischen hat sich die deutsche Wirtschaft vom Industriezeitalter verabschiedet. Auf dem Weg zu einer von Wissen, Kreativität und Ideenreichtum geprägten Ökonomie sind einige Firmen ein gutes Stück vorangekommen. Gewiss wimmelt es nicht vor lauter Daniel Düsentriebs. Es kommt vor allem darauf an, Querdenken zu erlauben und so Erfindergeist zu stimulieren. Das leisten motivierende oder auch umtriebige Vorgesetzte, aber auch das Betriebsklima muss stimmen. Nicht zuletzt sind klare Strukturen nötig, die das Einbringen von Ideen von bürokratischen Hemmnissen befreien.

Das zeigt sich auch in der Studie von Compamedia. Von den bereits als vorbildliche Arbeitgeber ausgezeichneten Firmen geben vier von fünf Unternehmen ihren Mitarbeitern Freiräume, um eigene Ideen zu entwickeln. Jeder zweite Betrieb stellt Budgets bereit, um die Risikobereitschaft ihrer Mitarbeiter zu fördern. Fast alle Firmen ermutigen ihre Beschäftigten, nicht gleich beim kleinsten Zweifel ihr Projekt abzubrechen.

Querdenker und Kreative gesucht
Leider sind dies nur Ausnahmen. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) unlängst bestätigte, sind die meisten Unternehmen lediglich "mittelmäßig innovativ". Kreativitätsbremser stellen klar die Mehrheit. Und die Beschäftigten verschwenden lieber zwei Arbeitstage pro Woche, statt sich voller Begeisterung auf ihre Aufgaben zu stürzen. Nur in Südafrika, fand die Unternehmensberatung Proudfoot heraus, verbringen Mitarbeiter noch mehr Zeit mit "nicht zielführenden Dingen".

Ideen einbringen, kreativ sein, Wissen teilen: Das Potenzial der Mitarbeiter entfaltet sich nicht unter restriktiven Bedingungen. Während Ideenreichtum und kreativer Spieltrieb in Konzernstrukturen schnell versanden und Beschäftigte auf kurz oder lang ihre Motivationsreserven verbraucht haben, will man im Mittelstand mit seinen Ressourcen anders umgehen. So erwirtschaften die "Top Job"-Unternehmen die Hälfte ihres Umsatzes mit Marktneuheiten und innovativen Verbesserungen der vergangenen drei Jahre. 86 Prozent der ausgezeichneten Firmen sind zuletzt schneller gewachsen als der Branchendurchschnitt.

Von Winfried Gertz