Ingenieure müssen mehr können

Ingenieure werden gesucht. Zusätzliche Kenntnisse zu der reinen Fachausbildung sind jedoch erwünscht und oft der Schlüssel für den beruflichen Einstieg und Erfolg.

Tonis Rüsche und Michael Horn, Geschäftsführer der NK Networks & Services GmbH in Köln, sind auf der Suche. Für die Geschäftsstellen in ganz Deutschland benötigt ihr Unternehmen Account Manager. Über den selbst ausgebildeten Nachwuchs hinaus würde das Unternehmen gerne Elektro- oder Nachrichtentechnik-Ingenieure mit Kenntnissen der aktuellen Informationstechnologien einstellen. "Junge Systemingenieure mit guten Fremdsprachenkenntnissen haben deshalb hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten bei uns", so Tonis Rüsche.

Die Ingenieure von morgen aufbauen
Aus diesem Grund hat das Unternehmen aktuell ein Trainee-Programm für Vertrieb und Technik aufgesetzt, das speziell Hochschulabsolventen ansprechen soll. Obwohl NK Networks & Services renommierte Kunden vorweisen kann, sind geeignete Bewerber rar. Dabei bieten wir sehr gute Zukunftsperspektiven, sagt Rüsche.

Doch nicht nur NK Networks & Services ist auf der Jagd nach neuen Mitarbeitern. Kleinere Unternehmen haben die meisten Probleme, qualifizierte Fachkräfte zu bekommen, bestätigt Jan Albers von der Fachhochschule Dortmund. Der Hochschullehrer weiß allerdings auch um die Chancen, die gerade diese Firmen bieten. Er rät seinen Studenten, ihre Ingenieur-Karriere im gehobenen Mittelstand zu beginnen. Denn hier können Berufseinsteiger oft mehr als nur ein kleines Rädchen drehen. Voraussetzung dafür - so Albers - sind allerdings nicht nur das fachliche Know-how, sondern auch Kenntnisse aus Nachbardisziplinen, wie beispielsweise der BWL. Zwar bleibt das klassische Ingenieur-Know-how weiterhin die Basis, doch ein erfolgreicher Berufseinstieg gelingt zunehmend nur, wenn die Bewerber auch nicht-technische Kompetenzen, wie z.B. Sprachkenntnisse oder Teamführung mitbringen.

Interdisziplinäre Ingenieure
"Während Ingenieure früher vor allem für die Entwicklung neuer technischer Komponenten zuständig waren, müssen sie heute auch die Projektierung, Implementierung und Integration komplexer Systeme aus der Hard- und Software beherrschen", so Dr. Michael Schanz, Aus- und Weiterbildungsexperte beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE). In der Praxis bedeutet dies, dass Ingenieure nicht nur einzelne Projektphasen betreuen, sondern von der Planung bis zur erfolgreichen Projekt-Realisierung verantwortlich sind. Das gilt besonders für die stark gefragten Spezialisten in der Elektro- und Informationstechnik. Laut einer aktuellen Umfrage des VDE arbeiten mittlerweile ebenso viele Ingenieure im "klassischen" Feld der Produktentwicklung wie im Bereich Projektierung, Vertrieb und Marketing - jeweils 35%.

Mehr als die Hälfte der Elektroingenieure ist heute zudem nicht mehr unmittelbar in der Elektroindustrie tätig, sondern in Branchen, die auf Schlüsseltechnologien, insbesondere der Informationstechnik und Mikroelektronik, angewiesen sind. Dies hat zur Folge, dass sie zunehmend in interdisziplinären und vor allem international besetzten Projektteams arbeiten. Anders als früher entscheiden sich deswegen auch immer mehr Studenten der Ingenieurwissenschaften für einen Studienaufenthalt im Ausland, beschreibt Schanz die Konsequenzen aus diesen neuen Anforderungen.

Jungen Ingenieuren bieten sich heute Chancen in nahezu allen Wirtschaftszweigen, denn Informationstechnik, Software und Mikrosystemtechnik sind mittlerweile überall auf dem Vormarsch. Kann ein Bewerber dann auch noch Zusatzqualifikationen vorweisen, steht einer erfolgreichen Karriere nichts mehr im Wege. Das wirkt sich auch finanziell positiv aus: Laut einer aktuellen Studie der Kienbaum Management Consultants GmbH hat sich das Einstiegsgehalt für Absolventen gegenüber dem Vorjahr um 4.000 erhöht - im Durchschnitt verdient ein Ingenieur mit Universitätsabschluss 42.000 im Jahr. Und auch in Sachen Beschäftigungsquote stehen Ingenieure gut da: Während die allgemeine Arbeitslosenquote rund 11% beträgt, liegt sie bei Ingenieuren lediglich bei etwas über 3% und ist in den letzten Monaten linear sogar um mehr als die Hälfte gesunken.
 
Von Susanne Tuchel