Inflation der Top-Firmen

Arbeitgeber-Rankings gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Wer Sieger wird, hängt von der jeweiligen Methode ab. Der Nutzen für Jobsuchende ist daher meist nur gering. Wirtschaftsstudenten wollen am liebsten bei Porsche oder BMW arbeiten.

Für Ingenieurstudenten steht dagegen Audi an erster Stelle vor Porsche und BMW. Das ergab zumindest eine Studie des schwedischen Beratungsunternehmens Universum Communication, das laut eigenen Angaben mehr als 15.000 Studenten von 86 deutschen Hochschulen online befragt hat. Teilgenommen haben Studienanfänger ebenso wie Studenten kurz vor Abschluss. Sie konnten von einer Unternehmens-Liste ihre fünf Top-Arbeitgeber auswählen. Doch kann ein Student - und vor allem ein Studienanfänger - überhaupt die Qualität eines Unternehmens als Arbeitgeber einschätzen? Kann er die Entwicklungschancen, die Qualität des Managements oder die internationalen Perspektiven der Firma beurteilen? Wohl eher nicht. So wundert es auch nicht, dass bei dem Ranking vor allem imagestarke Produktmarken wie Porsche gut abschneiden.

Teilnahme an Arbeitgeber-Rankings oft teuer bezahlt
Der Popularität der Rangliste tut das keinen Abbruch. Denn welches Unternehmen möchte in Zeiten des War for Talents nicht zu den beliebtesten Arbeitgebern gehören? Längst gibt es daher eine wahre Flut von Wettbewerben und Rankings. Ihre unterschiedlichen Konzepte und Geschäftsmodelle waren daher auch Thema auf dem Kongress Arbeitgeber-Attraktivität in Deutschland, der im Juni in München stattfand.

Spielt bei der Studentenumfrage von Universum vor allem das Produktimage eine Rolle, so werden beim Wettbewerb Deutschlands beste Arbeitgeber des Great Place to Work Institute die Mitarbeiter nach ihrer Zufriedenheit mit dem eigenen Arbeitgeber befragt. Zu einem Drittel fließen auch Konzepte im Personalbereich ein. Die Top 3 bei den Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind SAP, Dow Deutschland GmbH und die Techniker Krankenkasse. Unternehmen wie Audi, BMW oder Porsche sucht man hier vergebens. Der Grund: Sie haben bei dem Wettbewerb nicht mitgemacht. Schließlich kostet die Teilnahme 4000 Euro. So viel Geld haben insgesamt nur 252 Firmen für ihre mögliche Platzierung auf der Top-100-Liste von Deutschlands besten Arbeitgebern locker gemacht, darunter nur zwölf Konzerne.

Die Phoenix Contact GmbH & Co. KG hat zwar mitgemacht, landete aber nicht unter den drei besten Firmen. Beim Wettbewerb TOP JOB der Werbeagentur Compamedia wurde das Elektrotechnik-Unternehmen dagegen sogar zum Arbeitgeber des Jahres gekürt. Der wird jedes Jahr von einer 15 köpfigen Jury aus den hundert besten mittelständischen Arbeitgebern ausgewählt. Befragt werden Mitarbeiter und Personalmanager. Die wissenschaftliche Leitung hat Heike Bruch, Professorin an der Universität St. Gallen, als Mentor fungiert Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Unser wichtigstes Ziel ist es, die Firmen als Arbeitgeber bekannt zu machen, erklärt Compamedia-Geschäftsführer Joachim Schuble. 212 Firmen haben das letzte Mal mitgemacht und rund 4.000 Euro dafür bezahlt.

Rankings zu undurchsichtig - Nutzen unklar
Bei Universum zahlen die Firmen dagegen nur, wenn sie eine firmenspezifische Auswertung der erhobenen Daten möchten. Um überhaupt bewertet zu werden, müssen sie jedoch erst einmal auf die Unternehmens-Liste kommen und wie das funktioniert, ist nicht so ganz durchsichtig. Die Liste basiert auf den Erfahrungen, die wir über die vergangenen Studien der letzten Jahre gewonnen haben, erklärt Axel Keulertz, Forschungsdirektor bei Universum in Köln.

Wolfgang Jäger ist skeptisch, was den Nutzen der Rankings angeht. Mit ihrer Teilnahme steigern die Unternehmen zwar ihren Bekanntheitsgrad und ihr Image, erklärt der Professor für Personalführung an der Fachhochschule Wiesbaden. Für ein fundiertes Feedback zur Arbeitgeber-Qualität oder konkrete Hilfestellungen zur Verbesserung der eigenen Personalarbeit eigneten sich die Rankings jedoch kaum. Noch weniger hilfreich sind sie für die Jobsuchenden. Jäger: Die Ranglisten tragen nur wenig zur Orientierung und noch weniger zur Transparenz bei.
 
Von Bärbel Schwertfeger