IIPM - Für eine Handvoll Dollar

Das Indian Institute of Planning and Management (IIPM) rühmt sich die beste Business School Indiens zu sein und gibt seit Jahren an, mit etlichen renommierten Schulen in Europa und den USA zu kooperieren - oftmals fälschlicherweise. Doch obwohl die unseriösen Geschäftspraktiken bekannt sind, kooperiert so manche renommierte Business School mit der umstrittenen indischen Schule.

"IIPM - Best only in Claims" titelte vor kurzem das indische Karrieremagazin Careers360 und durchleuchtete detailliert die seltsamen Geschäftspraktiken des IIPM, darunter auch die falschen Angaben zu den Partnerschulen. Die großen indischen Zeitungen halten sich dagegen seit Jahren zurück mit Kritik an der Business School. Schließlich ist das IIPM mit seinen ganzseitigen Anzeigen einer ihrer größten Anzeigenkunden. Da lässt sich so manches renommierte Blatt schon mal zu Lobeshymnen hinreißen, wie sie das IIPM stolz auf seiner Website präsentiert. Allerdings ist dabei nicht immer erkennbar, ob es sich bei den präsentierten Artikeln nicht um redaktionell aufgemachte Anzeigentexte handelt.

Zweifelhafter Erfolg durch Lobhudeleien und renommierte Partnerschulen
Geadelt wurde das IIPM auch von Della Bradshaw, der bei der Financial Times (FT) verantwortlichen Redakteurin für MBA-Themen und das MBA-Ranking. In ihrem 2006 erschienenen Artikel "The Maverick Management Guru" schreibt Bradshaw bemerkenswert unkritisch über den Gründer und "Honorary-Dean" Arindam Chaudhuri und seine - nach eigenen - Angaben größte Business School der Welt. Dabei hätte es schon damals auf der Hand gelegen, die vermeintliche Erfolgsstory zu hinterfragen. So bekommen indische IIPM-Absolventen zum Beispiel ihren MBA-Titel von dem unbekannten und in Belgien nicht anerkannten International Management Institute (IMI) in Brüssel. Noch heute nutzt das IIPM seinen Coup geschickt. "IIPM in Financial Times, UK. Feature of the Week. Must read" blinkt auf der Website. Es folgt der Link zu dem drei Jahre alten FT-Artikel.

Auch der Trick mit den Partnerschulen ist schon alt. Bereits 2007 distanzierte sich die Stanford Graduate School of Business deutlich von den Angaben des IIPM, wonach Stanford gemeinsam mit dem IIPM zertifizierte Executive Education Programme anbieten würde. "Die Angabe ist falsch", schrieb Gale Bitter, Associate Dean and Director. "Weder die Stanford Graduate School of Business noch die Abteilung Stanford Executive Education haben irgendwelche Verbindungen mit dem IIPM.

Geschmückt mit fremden Federn
Bereits im Dezember 2006 hatte sich der stellvertretende Direktor des Stanford Center for Professional Development, Paul Marca, in einem Brief an den Director of Global Strategy beim IIPM, Siddharth Nambiar, über die irreführende Werbung des IIPM beschwert und ab sofort jegliche Nutzung des Logos und des Namens von Stanford untersagt. Nach dem Statement von Gale Bitter beschwerte sich Nambiar bei der Stanford-Direktorin über die Beschädigung des guten Rufs des IIPM und berief sich darauf, dass einzelne Stanford-Professoren am IIPM unterrichtet hätten.

Stanford ist bei weitem kein Einzelfall. Vor einiger Zeit tauchte auch die Chicago Booth School of Business als Partner auf. Danach sollten IIPM-Studenten am Advanced Global Management Programm in Chicago teilnehmen. So hieß es: "Die als Nummer 1 der Welt gerankte Business School - Was das Programm vielleicht so einzigartig macht und es von ähnlichen Programmen in Indien unterscheidet, ist das obligatorische International Residency Programme beim Advanced Global Management, das die Studenten an der Graduate School of Business der University Chicago absolvieren." Auf Nachfrage reagierte Chicago sofort und schrieb dem IIPM am 23.Juni: "Wir bitten Sie, alle Erwähnungen, wonach die Chicago Graduate School of Business Teil dieses Advanced Global Management Programms ist, sofort von allen Websites des IIPM zu entfernen." "Wir bedauern dies zutiefst", antwortete Chanda Mehra, Senior Manager-Global Outreach Program am IIPM.

Das Dokument wurde geändert und nun hängt "Die als Nummer 1 der Welt gerankte Business School" quasi im leeren Raum. Übrig blieb nur der Satz: "Was das Programm vielleicht so einzigartig macht und es von ähnlichen Programmen in Indien unterscheidet, ist das obligatorische International Residency Programme beim Advanced Global Management, das die Studenten absolvieren." Wo die Teilnehmer das Programm nun besuchen, bleibt jedoch ein Rätsel.

Partner-Schulen im schlechten Licht
Doch längst nicht jede renommierte Business School ist um ihren Ruf besorgt. Bemerkenswert ist das Verhalten der Haas School of Business an der University of California (UC) Berkeley. Im Februar antwortete die kalifornische Schule dem indischen Magazin Career360, dass Berkeley nichts mit dem IIPM zu tun habe und man bereits gehört habe, dass die Schule dafür bekannt sei, fälschlicherweise Verbindungen mit Topschulen anzugeben. Dann korrigierte die Presseabteilung die Antwort und erklärte, dass es eine neue Kundenbeziehung zwischen dem IIPM und dem Center for Executive Education gebe. Das erste Programm finde im Juni statt. Und im Mai antwortete Berkeley, dass sich das IIPM als Kunde daher als Business School, die mit der Haas School of Business "kooperiert" ("participating") bezeichnen dürfe.

Offenbar suchten die Business Schools so verzweifelt nach Kooperationen mit indischen Business Schools, dass sie dafür sogar ihren guten Namen hergeben, kommentierte Careers360 das Verhalten. Um ein paar Dollar mehr zu verdienen, gäben sie ihre ethischen Grundsätze und ihre Professionalität auf.

Dabei erweckt das Dokument sogar den Eindruck, als vergebe Berkeley Credits für das Programm. Auf Anfrage von MBA Channel erklärte Berkeley am 2.Juli: "Die Haas School hat das IIPM gebeten, das Logo von Haas und der UC Berkeley von seiner Website und aus seinen Marketingunterlagen zu entfernen und die Formulierung bezüglich des Abschlusszertifikats und der Credits zu korrigieren. Das Center for Executive Education vergibt keine Credits, sondern nur ein Abschlusszertifikat für den von ihm unterrichteten Teil des Programms."

Als "Partner B-School" wird auch die Judge Business School an der University of Cambridge aufgeführt. Dort hat man offenbar keine Bedenken, samt Logo in Zusammenhang mit der fragwürdigen Schule gestellt zu werden. Die Schule biete IIPM-Teilnehmern ein fünftägiges Executive Education Programm in Cambridge an, schreibt die Pressestelle. IIPM habe Judge engagiert und die erste Gruppe beginnt im Juli 2009. Die Teilnehmer erhielten eine Teilnahmebestätigung und kein Universitäts-Zertifikat der Cambridge University oder der Judge Business School.


Via www.schwertfeger-mba-channel.com
 
Von Bärbel Schwertfeger