Heilender Humor

Mehr Schwung im Alltag, das Tagwerk mit Lust und Laune verrichten - das wünschen sich viele Menschen. Eine Prise Humor kann viel bewirken, Spaßvögel wissen das. Leider wird etwas mehr Lockerheit im betrieblichen Geschehen nicht gern gesehen. Denn Humor ist vor allem eins: subversiv.

Wenn Gerhard Schwarz sich in Betrieben umschaut, packt ihn das kalte Grausen. Beinhart wird verhandelt, mit strenger Miene an Zahlenkolonnen gefeilt und wie auf dem Exerzierplatz kommuniziert. Von Humor fehlt jede Spur. "Dabei sollte man verschwenderisch mit ihm umgehen", sagt der Wiener Philosoph.

Es wird Zeit für ein heiteres Klima in der Wirtschaft. Erst vor acht Jahren hat die UNO die "five doctors of humor" definiert. Danach "heilt" Humor, mit einer Wirkung, die sogar Aspirin in den Schatten stellt. Zudem macht Humor attraktiv und verleiht einem Menschen das gewisse Etwas. Humor zeichnet Gewinner aus. Wer siegen will, sollte locker und witzig sein. Humor macht stark und überlegen; Humor löst Konflikte. Über sich selbst zu lachen, bringt Farbe ins Leben. Schwarz: "Wem es in Krisensitzungen gelingt, beide Seiten zum Lachen zu bringen, hat schon gewonnen."

Schwarz redet auch Verkäufern ins Gewissen, mit Humor im Gepäck zum Kunden zu gehen. Jedes Verkaufsgespräch sei von einer "Übervorteilungsvermutung" geprägt: Beide Seiten wollen Gewinner sein und das verhandelte Angebot aus ihrer Warte beurteilen. "Ich gebe Dir 100 Prozent und bekomme von Dir 120 Prozent." So wird Spannung aufgebaut. Wer jedoch humorvoll ist, kommt seinem Ziel schneller nahe. "Misstrauen schlägt um in Vertrauen", verspricht Schwarz.

Für den Philosophen ist Humor ein unschlagbares Kommunikationsinstrument. Meist lockern sich die Mienen, wenn über Dritte gelacht wird. Doch auch in Dialogsituationen, wie einem Verkaufsgespräch, entfaltet Humor eine durchschlagende Wirkung. So amüsiert sich der Kunde nicht nur, wenn der Verkäufer über sich selbst lacht. Ist das Produkt Anlass für Heiterkeit, wird laut Schwarz eine Einheit zwischen beiden Seiten hergestellt. Auch so wird Vertrauen aufgebaut.

Auch unter Ingenieuren hat Schwarz sich umgesehen. Autokonstrukteure amüsieren sich abends beim Bier köstlich über neueste Modelle. Im Meeting am nächsten Morgen kommen sie aber wieder bierernst zur Sache. Schwarz hilft Firmen, mehr Humor zuzulassen. Seine These: "Gelingt es mir, den Humor zu aktivieren, werden die trockensten Typen zu Entertainern."

Schwarz zufolge lässt sich Humor mit seinen Spielarten trainieren. Während es etwa bei der Ironie auf das Understatement ankommt, sieht die Schadenfreude das Unglück stets beim anderen. Kurz: Humor hilft, sogar dann etwas Positives zu erkennen, wenn das Negative überwiegt. Interventionen durch Humor heben nicht nur die Stimmung, sie führen auch zu besseren Ergebnissen. "Wer seinen Humor trainiert", verspricht Schwarz, "kommt von dieser Welle nicht mehr herunter."
 
Von Josef Bierbrodt