Headhunter in Lauerstellung

Der Einbruch am Stellenmarkt kommt viele Personalberater teuer zu stehen. Sogar Headhunter gehen in Kurzarbeit, manche Firmen müssen Personal entlassen oder sogar ihre Tore schließen. Mittelfristig aber sind die Vermittlungsprofis wieder dick im Geschäft.

Trotz der gegenwärtigen Misere sieht Rainer Steppan die Branche im Aufwärtstrend. "Die Rezession wird den Erfolg der Headhunter nur kurz stoppen", sagt der Betreiber des Portals Consultingstar.com. "Die goldenen Zeiten für diese Berater kommen erst." Brancheninsider wie Steppan sind sicher: Die demografische Entwicklung und die steigenden Anforderungen an Fach- und Führungskräfte sind Wasser auf die Mühlen der Personalberater.

Unternehmen und Berater gebeutelt
Bevor die Nachfrage auf den Stellenmärkten wieder anzieht, weil die Unternehmen neue Absatzmärkte erschließen und ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen wollen, wird zunächst alles umgekrempelt. Zentrale Strukturen kommen auf den Prüfstand. Wer organisatorische Abläufe noch nicht korrigiert hat, nimmt sich diese wichtige Aufgabe jetzt vor. Restrukturierung lautet das Motto. In dem Maße, wie zahlreiche Prozesse neu geordnet werden, müssen sich auch Beschäftigte mit Veränderungen abfinden. Die einen übernehmen neue Aufgaben, andere müssen einen Ortswechsel hinnehmen. Für den einen oder anderen bleibt dafür nichts mehr zu tun. Die Perspektive lautet Kurzarbeit, im schlimmsten Fall droht Entlassung.

Doch Restrukturierung hat auch beschäftigungsfördernde Seiten, wie Roland Netter, Vorstand der Personalberatung QRC Group in Nürnberg, für die Automobilindustrie erläutert. Sie erteilt bereits erste Aufträge für die Personalsuche. "Zwar bauen Firmen massenhaft ab, aber sie befinden sich in struktureller Erneuerung", so Netter. Dafür benötigen sie Führungskräfte in neuen Technologien, Organisations- und Vertriebsthemen. "Auch Zulieferer stellen sich allmählich neu auf."

Vor dem Aufschwung
Vergleichbares wird auch aus der Finanzbranche oder dem Maschinenbau berichtet - Wirtschaftszweige, die wie die Automobilindustrie erheblich unter Druck geraten sind. Insgesamt sind die notwendigen Veränderungen ein zwar schmerzhafter, aber notwendiger Reinigungsprozess, aus dem die Unternehmen gestärkt in die Wachstumsphase eintreten, auch wenn niemand genau vorhersagen kann, wann der Aufschwung tatsächlich beginnt.

Auch für Personalberater ist die Krise alles andere als ein Zuckerschlecken. Die Branche befindet sich mitten in der Konsolidierung, mit einer Rückkehr zu den zweistelligen Zuwachsquoten aus jüngster Vergangenheit ist zumindest kurzfristig nicht zu rechnen. "Wer als Headhunter überleben will, muss sich gezielt weiterbilden und mit anderen kooperieren. Die großen Anbieter können die Krise besser aussitzen, nicht allein wegen ihrer Reserven, sondern weil weiterhin Top-Positionen besetzt werden müssen", sagt Christine Stimpel, Deutschland-Chefin von Heidrick and Struggles. "Kleinere Beratungsfirmen, die sich eher auf das mittlere Segment konzentrieren, sind weitaus stärker betroffen." Dennoch überwiegt bei vielen Dienstleistern Optimismus. Sie stecken hoch motiviert in den Startlöchern. Stimpel macht ihnen Mut: "Schon 2010 wird sich das Personalberatungsgeschäft wieder erholen."
 
Von Winfried Gertz