Hartes Los

Da wird doch immer behauptet, es wäre furchtbar schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen und es wird alles Erdenkliche unternommen, um möglichst vielen jungen Menschen eine berufliche Zukunft zu bieten. Doch wer (außer mir) bemitleidet eigentlich auch mal die Unternehmen und unterstützt diese bei der Suche nach geeigneten Kandidaten? Die hätten etwas Mitleid und Unterstützung nämlich häufig bitter nötig ...

Bestes Beispiel ist ein neues Format eines bekannten Privatsenders, in dem drei Bewerber die große Chance bekommen, einen begehrten Ausbildungsplatz zu ergattern. Egal ob Hotelfachfrau, Friseur oder KFZ-Mechatroniker, ein Großteil der Bewerber zeigt den Zuschauern hervorragend, wie man es nicht anstellen sollte, wenn man ernsthaft auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist.

Da bekommt der angehende Hotelfachmann die Aufgabe, in zwanzig Minuten ein Zimmer aufzuräumen, geht jedoch schon früh im Kampf mit dem Bettlaken k.o. Ein anderer erhält die äußerst schwierige Anweisung, an seinem ersten Probearbeitstag in einem Friseursalon komplett schwarz gekleidet zu erscheinen. Der Besitzer des Salons staunt nicht schlecht, als dieser am nächsten Tag in einer weißen Hose vor ihm steht. Die einfache Begründung: der Arme besitzt leider keine schwarze. Ja so was! Da liegt die weiße Hose natürlich nahe.

Das dies durchaus keine Einzelfälle zu sein scheinen, konnte ich in einer Reportage mit versteckten Kameras bestaunen. Da erschienen die meisten Bewerber schon völlig unvorbereitet und unpassend gekleidet bereits zum Vorstellungsgespräch, viele wirkten erleichtert, überhaupt den Weg dorthin gefunden zu haben. Rund 90 Prozent scheiterten jedoch bereits vorher. Von zweihundert Bewerbern auf zwei Ausbildungsplätze zum Hotelfachmann bzw. zur Hotelfachfrau kamen nach Durchsicht der Bewerbungsunterlagen zwanzig in die nächste Runde. Eine Stelle konnte besetzt werden, die zweite Stelle leider nicht.

Hier ein kleiner Tipp für die neunzehn Gescheiterten: Ihr solltet auf die Frage nach den eigenen Schwächen möglichst nicht antworten "Ich kann nicht gut auf Leute zugehen und bin sehr schüchtern", wenn in der Stellenanzeige unter "Anforderungen" steht, dass der Bewerber gut auf Menschen zugehen können sollte. Und "keine Zeit" ist eine ganz schlechte Begründung, um sich für die eigene Unkenntnis über das Unternehmen zu entschuldigen.

Ich bin mir nicht sicher, ob man darüber lachen oder weinen soll, ein hartes Los aber für alle Personalchefs und gute Aussichten für jeden Bewerbungscoach. Die Arbeit dürfte hier in nächster Zeit nicht weniger werden. Bis dahin kann das Motto für viele Unternehmen nur lauten: Wählen wir das kleinste Übel!
 
Von Sabrina Clemens