Harte Zeiten

Bologna, dort wo Mortadella, Tortellini oder die berühmte Spaghetti-Variante ihren Siegeszug auch in studentischen Kreisen antraten - diese Stadt kann nun wirklich nichts dafür, dass ihr der Prozess gemacht wird. Neun Jahre ist es her, dass die EU-Bildungsminister ihre berühmte Erklärung abgaben: Studienabschlüsse in Europa sollen vergleichbar sein. Vorbei der Müßiggang, statt Party ohne Ende ist nun Büffeln angesagt.

Kurz nach zwölf. Klaus-Jürgen Haller, Moderator des Mittagsmagazins im WDR-Radio, begrüßt seine Zuhörer: "Guten Tag, meine Damen und Herren. Guten Morgen, liebe Studenten." In den Siebziger Jahren, lang ist es her, galt das Studentenleben noch als ewiges Abhängen. Um die Uhrzeit, als kreuzbrave Bürger zur Arbeit gingen, war man nach ergiebigen Streifzügen durchs Revier gerade erst ins Bett gefallen. Allenfalls Maschinenbaustudenten oder die ewigen Streber von der Weißkitteldisziplin mussten mit holden 20 schon um acht spießig in Reih und Glied zum Lernen antreten.

Der Bachelor in der Kritik
Und heute? Auf dem Weg zum "Bachelor", einem Abschluss, den viele Personalleiter nur vom Hörensagen kennen, geschweige denn, ihn fehlerfrei buchstabieren können, müssen Studenten eine Selbstdisziplin an den Tag legen, die den meisten gewiss nicht gegeben ist - von Gott schon gar nicht. Wer zweimal im Seminar fehlt, droht aus dem Rennen zu sein. Credit Points sammeln statt Lebenserfahrung: Wussten die Bildungsminister seinerzeit in Bologna wirklich, was sie den Köpfen von morgen antun?
 
Von Max Leonberg