Gute Tipps für gute Teamleitung

Der Sprung zur Leitung eines Teams erfolgt häufig schneller als erwartet. So manch ein leitender Mitarbeiter wird bei seiner ersten Anstellung ohne viel Vorbereitung ins kalte Wasser geworfen - und ist damit nicht glücklich. Wer weiß, wie man eine gute Arbeitsgruppe zusammenstellt und seine Mitarbeiter von Beginn an mit ins Boot holt, hat bessere Chancen, aus seiner Zusammenarbeit das Beste herauszuholen.

Junge Nachwuchsführungskräfte werden oft schneller als erwartet in eine leitende Position befördert. Meist sind sie schon nach wenigen Monaten im Unternehmen für ein Projekt verantwortlich und müssen sich als der Erste beweisen. Wie geht man am besten an solch eine Herausforderung heran? "Es wäre falsch, direkt loszustürzen und in Aktionismus zu verfallen", rät Beate Remus, die als Trainer und Coach für Teamentwicklung häufig mit jungen Nachwuchsführungskräften zu tun hat. "Stattdessen sollte man zunächst den Kontakt zu allen Teammitgliedern suchen und sich mit jedem Einzelnen vertraut machen." Dabei wird der Nachwuchs-Chef bemerken, dass es in einer Arbeitsgruppe oft die unterschiedlichsten Typen gibt: Der eine beschäftigt sich gern mit Informationen, der andere ist ein kreativer Kopf, der dritte ist ein Macher und damit der Umsetzer von Ideen, der vierte vielleicht ein Zahlenmensch, für den Kalkulieren und Kontrollieren das Größte sind. "Erst wenn ich weiß, welche Typen ich in meinem Team habe, kann ich die Mitarbeiter entsprechend gut für die verschiedenen Aufgaben einsetzen", so Beate Remus. Wer nicht auf eine bestehende Gruppe stößt, sondern sich seine eigene zusammenstellt, sollte darauf achten, dass alle wichtigen Funktionen mit einem passenden Mitarbeiter besetzt sind. Was nützt ein Haufen kreativer Leute, wenn keiner da ist, der die Ideen anschließend in die Tat umsetzt?

Kommunizieren und Zuhören sind zudem das A und O einer erfolgreichen Teamführung. Nur wenn der Chef die Bedürfnisse seiner Mitglieder kennt und alle wissen, was zu tun ist, werden sie erfolgreich sein. "Vereinbaren Sie mit allen gemeinsam die Spielregeln, nach denen Sie arbeiten wollen - und zwar sowohl auf der sachlichen Ebene als auch auf der Beziehungsebene", so ein weiterer Tipp der Trainerin. Ersteres betrifft die Aufgaben: Welche Mindestqualitätsanforderungen stelle ich an meine Mitarbeiter? Wie halten wir es mit Terminen und Absprachen untereinander? Wer berichtet zu welchem Zeitpunkt an wen? Auf der Beziehungsebene ist es wichtig zu klären, wie man persönlich miteinander umgehen will: Wer hat bei welchen Aufgaben das Sagen? Wie reagiert man auf Vorschläge der anderen? Was passiert, wenn jemand einen Fehler macht oder nicht so viel arbeiten will? "Wenn ein Teamleiter scheitert, liegt es meist daran, dass es auf der menschlichen Ebene, also beim Verhältnis zu seinem Team, nicht stimmte", so die Erfahrung von Beate Remus.

Eine gute Führungskraft sollte ein paar wichtige persönliche Eigenschaften mitbringen: Er sollte offen sein für andere und sich für jeden Einzelnen in der Gruppe interessieren. Menschenkenntnis und eine gute Beobachtungsgabe helfen dabei, seine Mitglieder richtig einzuschätzen. "Auch junge Menschen, die bisher wenig Erfahrung mit Führungsaufgaben gemacht haben, können dafür ein Fingerspitzengefühl entwickeln", ist Beate Remus überzeugt. Das Alter spiele ihrer Ansicht nach auch keine Rolle bei der Frage um Autorität: "Wenn man sich angemessen verhält, wird man von seinen Teammitgliedern automatisch anerkannt - egal, ob man jünger ist als sie oder nicht." Nachwuchskräfte sollten sich auch nicht scheuen, ältere Mitglieder auch mal um Rat zu fragen. Das signalisiert nicht, dass sie in ihrer Position unsicher sind, sondern dass sie die Erfahrung der Älteren schätzen.

Kann also im Grunde jeder lernen, Chef zu sein? Beate Remus hält Führen für ein Handwerk: "Zum Teil ist Teamleitung erlernbar, zum Teil muss man an seiner Person arbeiten", so die Trainerin. Ein gesundes Selbstbewusstsein und die Kenntnis, wie man auf andere wirkt, helfen auf jeden Fall im Umgang mit seinen Mitarbeitern. Verbiegen sollte man sich dabei auf keinen Fall. Nur wer authentisch rüberkommt, hat gute Chancen auf Erfolg.
 
Von Sabine Olschner