Gute Stimmung trotz Krisenzeiten

Schlechte Auftragslage, negative Geschäftsergebnisse, drohende Kündigungen - in vielen Unternehmen gibt es wahrlich keinen Grund zu jubeln. Doch gerade in diesen Zeiten sollten Führungskräfte bei ihren Mitarbeitern für gute Laune sorgen. Denn Frohsinn steigert die Leistung.

"Wer nicht lächeln kann, darf keinen Laden aufmachen." Dieses chinesische Sprichwort sollten sich laut Managementtrainer Dr. Helmut Fuchs viel mehr Deutsche auf die Fahnen schreiben. Denn: "Die meisten lenken ihre Aufmerksamkeit nur auf das Negative, statt positiv zu denken", meint der Wirtschaftspsychologe. Sein Motto: Mit Humor geht alles leichter - auch in Krisenzeiten wie diesen. Führungskräfte, die es schaffen, in ihrem Unternehmen gute Laune zu verbreiten, sind laut Fuchs erfolgreicher als griesgrämige Chefs. "Denn gute Laune bedeutet gleichzeitig gute Leistung." "Launologie" nennt Fuchs seine "Wissenschaft der guten Stimmung". Seine These: Mitarbeiter, die bei Laune gehalten werden, legen sich mehr ins Zeug.

Mit einer positiven Einstellung die Unternehmenskultur steuern
"Zunächst kommt es darauf an, seine eigene innere Einstellung zu überprüfen", erklärt Helmut Fuchs. Denn nur wer seinen Mitarbeitern gute Stimmung vorlebt, kann sie dazu bringen, selbst positiver zu denken. "Das beginnt schon damit, dass man einmal überprüft, mit welchen Gedanken man morgens aufwacht: Denken Sie an etwas Schönes, oder glauben Sie, dass der Tag sowieso nur wieder blöde Kunden und anstrengende Meetings bringen wird?", fragt der Trainer. Wer sich angewöhnt, morgens als Erstes einen positiven Gedanken zu haben, wird auch im Laufe des Tages fröhlicher eingestellt sein.

Des Weiteren sollten Manager eine Stimmungsanalyse im Unternehmen durchführen, rät Fuchs. Wie weit ist die Stimmung bereits gesunken? Wie lange dauert die Unlust schon an? Ist es nur ein vorübergehendes Tief oder sind die Mitarbeiter schon länger schlecht gelaunt? "Je nach Ergebnis kann die Führungskraft dann gezielt in die Unternehmenskultur eingreifen, um etwas zu ändern", so der promovierte Pädagoge.

Den Zusammenhalt stärken
Manchmal reichen schon Kleinigkeiten, um die Laune wieder zu heben. So etwa ein Wanderblumenstrauß, der jede Woche gekauft und dann stündlich durch die Abteilung gereicht wird. Auch der morgendliche Gang des Chefs durch die Büros, um jedem einen "Guten Morgen" zu wünschen, kann ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Neben dem Umgang, den die Abteilung und die Kollegen untereinander pflegen, ist auch das Verhältnis zu den Kunden ein Stimmungsbarometer: Freuen sich die Mitarbeiter, wenn sie mit einem Kunden telefonieren - oder lassen sie ihn spüren, dass ihnen der Anruf eigentlich nur lästig ist?

Wöchentliche, motivierende Meetings mit allen Mitarbeitern können ebenfalls zur Besserung der Laune genutzt werden. "Pflegen Sie Rituale", rät Helmut Fuchs. Auch gemeinsame Event-Veranstaltungen, die der Teambildung dienen, sind eine gute Sache. "Machen Sie Fotos von diesen Events und hängen Sie diese anschließend in den Büros auf. So erinnern sich die Mitarbeiter immer wieder an den Spaß, den sie gemeinsam hatten."

Natürlich lasse sich gute Laune nicht verordnen, gibt der Trainer zu bedenken. "Aber man kann die Bedingungen für eine positive Grundstimmung beeinflussen." Denn das "emotionale Kapital" in einem Unternehmen ist laut Fuchs ebenso wichtig wie das wirtschaftliche Kapital, von dem eine Firma lebt.
 
Von Sabine Olschner