Gut kontern ist die halbe Miete

Ein blöder Spruch des Kollegen und schon hat er einen aus der Fassung gebracht. Das muss nicht sein: Wer lernt, schlagfertig zu reagieren, strahlt Souveränität aus und kann schwierige Situationen besser meistern.

Meist kommt der Angriff unerwartet: Durch eine persönliche Bemerkung zu einer bestimmten Arbeitsweise, zu einem Vortrag oder sogar zur eigenen Person fühlt man sich so angegriffen, dass einem im ersten Augenblick die Worte fehlen. Wer jetzt nicht richtig kontert, überlässt seinem Gegenüber den Sieg. Doch nur die wenigsten haben gelernt, schnell auf solche Attacken zu reagieren. "Die meisten Menschen lassen sich durch Bemerkungen von anderen rasch aus dem Konzept bringen, werden wütend oder zeigen sich verletzt", ist die Erfahrung von Christine Lehner, Managementtrainerin und Buchautorin. In ihrem Buch "Limbic Mind die intelligente Schlagfertigkeit" erklärt die Pädagogin, wie man gelassen auf solche Angriffe reagieren kann.

"Wichtig ist zunächst, mich selbst gut zu kennen und zu wissen, wo meine Schwachstellen sind, wo ich angreifbar bin", erklärt Christine Lehner. "Wer seine Stärken und Schwächen kennt, ist schneller wieder im Gleichgewicht." Und genau dies braucht man, um seinem Gegner den Ball zurückzuwerfen denn nichts anderes bedeutet Schlagfertigkeit im eigentlichen Sinne. Viele verbinden schlagfertig sein mit einem frechen Spruch, den man auf die kränkende Äußerung zurückgibt. "Im beruflichen Umfeld kommt das aber meist gar nicht gut an", gibt Christine Lehner zu bedenken. Wer professionell kontern will, sollte lieber "intelligente Schlagfertigkeit" anwenden. So kann man nach einer verletzenden Bemerkung zum Beispiel einfach zurückfragen: "Und was genau meinen Sie jetzt damit?" Damit setzt man den anderen unter Zugzwang, und er muss seine Aussage erklären - was ihn wahrscheinlich selber in Bedrängnis bringen wird.

Weitere Antworten auf einen frechen Spruch können sein: "So meinen Sie das also?", ein simples "Aha" - oder es reicht, auch einfach zu schweigen. "Wichtig ist, seinem Gegenüber klare Grenzen zu setzen und ihm zu vermitteln, dass man das Gespräch auf dieser Ebene nicht weiterführen will", so der Rat der Managementtrainerin. "Das zeigt Souveränität." Falsch sei es, dem anderen auf gleicher Ebene zu antworten, ihn ebenfalls persönlich zu verletzen, zu beleidigen oder gekränkt zu reagieren. "Vermeiden Sie, die eigene Unsicherheit zu zeigen", betont Christine Lehner.

Doch wie kann man solch eine Gelassenheit lernen? Die Buchautorin nennt die Technik "innere Achtsamkeit". Fragen wie "Was geht jetzt in mir vor?", "Wie verhalte ich mich?" oder "Wie wirkt dieses Verhalten nach außen?" erleichtern es, so Lehner, seine Aufmerksamkeit nach innen zu richten und wahrzunehmen, welche Gefühle gerade dominieren. "Und wer weiß, wie er in bestimmten Situationen reagiert, kann rechtzeitig gegensteuern", erklärt die Pädagogin. Auch eine gute Körperhaltung und eine tiefe Atmung strahlen Souveränität aus. Letztlich sei die innere Achtsamkeit eine Trainingssache, die man immer wieder üben müsse.

Je öfter man unverschämte Bemerkungen von Kollegen oder gar Vorgesetzten mit intelligenter Schlagfertigkeit erwidert, umso schneller werden sie merken, dass sie ihre Spielchen nicht mit jedem treiben können. Und umso rascher kann man gemeinsam wieder auf ein professionelles Niveau zurückkehren, auf dem es sich weitaus angenehmer miteinander arbeiten lässt.
 
Von Sabine Olschner