Golf spielen für die Karriere

Wer Karriere machen will, sollte sich auf den Rasen begeben: Golf spielen ist die beste Gelegenheit, interessante Menschen zu treffen, Netzwerke zu knüpfen und sich selbst im besten Licht zu präsentieren.

"Wo sonst haben Sie die Chance, einen Menschen in entspannter Atmosphäre mehrere Stunden lang zwanglos kennenzulernen?" Anke Quittschau, Trainerin für moderne Umgangsformen und selbst passionierte Golferin, weiß um die Vorzüge des Sports mit dem kleinen weißen Ball: "Während des Golfspiels lernt man enorm viel über die Handlungs- und Denkweisen seines Mitspielers." Wie geht der andere mit Krisensituationen um - bleibt er gelassen oder regt er sich schnell auf? Ist er zuvorkommend, indem er zum Beispiel seinem Mitspieler bei der Suche nach dem Ball hilft? Zeigt er auf dem Platz Teamfähigkeiten oder zieht er sein Spiel lieber allein durch? All dies lässt auf den Charakter eines Menschen schließen, und vieles von dem, was er auf dem Rasen von sich zeigt, lässt durchaus Rückschlüsse auf sein Verhalten im Büro zu. "Nicht selten laden Headhunter daher potenzielle Kandidaten zum Golfspielen ein, um sie besser kennenzulernen", so die Erfahrung von Anke Quittschau.

Regelwerk des Golfspiels
Entsprechend sollte man sich vorab mit den Benimm-Regeln beim Golfen vertraut machen. Die Inhaberin des Seminarinstituts "korrekt!" nennt eine der wichtigsten: "Jobthemen sind auf dem Platz tabu." Ohnehin wird während des Spiels nicht viel geredet, denn jeder will sich lieber auf den nächsten Abschlag konzentrieren. Zeit für Small Talk bleibt anschließend am "19. Loch" - nämlich an der Bar. "Hier ist die Gelegenheit, seine beruflichen Anliegen zu besprechen, Visitenkarten auszutauschen und möglicherweise einen Termin für ein berufliches Treffen auszumachen." Ein weiterer Fauxpas: Mobiltelefone auf dem Green. "Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn zwischendurch das Handy klingelt", so Anke Quittschau. Pünktliches Erscheinen sowie das Kennen und Einhalten der Golfregeln sollten natürlich ebenso eine Selbstverständlichkeit sein. Und nicht zuletzt ist der Dresscode zu beachten: Tiefe Ausschnitte bei den Damen oder zu kurze Hosen bei den Herren werden gar nicht gern gesehen.

Bei einer Golfrunde finden sich meist mehrere Personen, sogenannte Flights, zu zwei- bis vierköpfigen Gruppen zusammen. "Das gibt dem Einladenden die Chance, Personen unauffällig zusammenzubringen", erklärt die Benimm-Trainerin. "Vertriebsmitarbeiter können auf diese Weise neue Kunden, eine Führungskraft einen vielversprechenden Kandidaten kennenlernen." Das Gute bei dem Spiel sei, dass auch Personen mit unterschiedlichen Spielstärken - Handicap genannt - zusammenspielen können. Eine unausgesprochene Regel lautet dabei: Die Spielweise des anderen wird nicht kommentiert. "Tipps zum besseren Spiel sollten nur auf ausdrücklichen Wunsch gegeben werden", warnt Anke Quittschau. Wer Trainingsbedarf hat, sollte vorab auf dem Driving Range, einem speziellen Gelände, seine Schwünge und Schläge üben, um später auf dem Platz zu glänzen.

Einen guten Eindruck hinterlassen
Ob als Einladung eines Headhunters, als lockerer Flight mit dem Chef oder beim Business-Afterwork-Golf, also dem zwanglosen Treffen nach Feierabend: "Der Golfplatz kann durchaus ein guter Jobmarkt sein", ist die Benimm-Expertin überzeugt. Wer sich an die offiziellen und die unausgesprochenen Regeln hält und sich auch persönlich von seiner besten Seite zeigt, hinterlässt bei seinem Gegenüber sicherlich einen nachhaltig guten Eindruck.
 
Von Sabine Olschner