Goldene Zeiten

Für junge Fach- und Führungskräfte gibt es endlich einmal gute Nachrichten: Nie war die Chance in hohem Tempo auf der Karriereleiter hochzuklettern, so groß wie heute. Denn auf die aktuelle Manager-Riege der über 50-Jährigen, die sich aus geburtenstarken Jahrgängen rekrutiert, folgt zahlenmäßig ausgedünnter Nachwuchs. In diese Lücke können Hochschulabsolventen, die ehrgeizige berufliche Ziele verfolgen, in den kommenden Jahren vorstoßen.

Mit diesem Ergebnis sorgt derzeit eine Studie von Personnel Decisions International (PDI) für Aufsehen. Zwar bezieht sich die Umfrage auf die USA, doch laut PDI können die Ergebnisse ohne Weiteres auch auf die deutsche Wirtschaft übertragen werden. Hier gelten nach einer neueren Studie von Hewitt Associates Firmen wie Lufthansa, SAP und BMW als die attraktivsten Arbeitgeber für europäische Führungskräfte. Gefragt wurde insbesondere nach der Führungskultur und wie Nachwuchskräfte auf Managementaufgaben vorbereitet werden.

Hewitt fand heraus, dass vor allem dort eine hohe Bindungsbereitschaft von jungen Führungskräften anzutreffen ist, wo erfahrene Manager sich persönlich um Top-Talente kümmern. Bis zu 50 Prozent ihrer Zeit investieren sie in die Führung ihrer Mitarbeiter und suchen im Unternehmen kontinuierlich den Kontakt zu Talenten. Die für den europäischen Führungsnachwuchs attraktivsten Arbeitgeber zeichnen sich durch eine niedrige Fluktuation aus und verfolgen mit einem professionellen Nachfolgemanagement das Ziel, offene Schlüsselfunktionen mit Mitarbeitern aus eigenen Reihen zu besetzen.

Aber nicht nur in Konzernen wird viel für den Führungsnachwuchs geleistet. Auch im Mittelstand ist Talent-Management in vielen Facetten vorzufinden. Für ihre gute Personalarbeit mit dem BestPersAward ausgezeichnet wurden in diesen Tagen beispielsweise die Duisburger DDS Dresdner Direktservice GmbH, die in Husum ansässige Teleatlas GmbH und die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment. Sie zeichnen sich durch moderne Personalführung aus, eröffnen ihrem Managementnachwuchs attraktive Entwicklungspfade und tragen dazu bei, dass berufliche Aufgaben und private Verpflichtungen in Einklang stehen können.

Insgesamt sind die Bedingungen für eine erfolgreiche Karriere des Nachwuchses lange nicht mehr so gut beurteilt worden. Freilich können die Experten nicht verhehlen, dass der Generationenwechsel von "alt" zu "jung" auch Fragen aufwirft. Wie Unternehmen den Verlust an Erfahrung mit vornehmlich jüngeren Managern kompensieren wollen, ist zum Beispiel ein großes Problem, für das es bis heute kaum tragfähige Konzepte gibt.

Zum anderen dürften die veränderten Bedingungen im Personalmarkt für Führungskräfte zu einem weiteren Anziehen der Gehälter beitragen. Beobachtern zufolge könnte das künftige Einkommensniveau von Führungskräften sogar die klaffende Lücke zum angloamerikanischen Wirtschaftsraum schließen. Kaum diskutiert wird allerdings die Frage, ob es angesichts des anstehenden Generationenwechsels im Management nicht angebracht wäre, weit über die magische Grenze von 60 Jahren hinaus Führungsverantwortung zu übernehmen. Ebenfalls spannend wird zu beobachten sein, ob man nicht zu völlig neuen Methoden greift, um dem drohenden Manager-Mangel entgegenzuwirken. Beispiel Siemens: Dort dünnt Peter Löscher ein dichtes Hierarchiegestrüpp furchtlos aus. Die zahlreich von ihren Aufgaben entbundenen Führungskräfte werden gewiss nicht lange beschäftigungslos bleiben.
 
Von Winfried Gertz